Wer ist Leo Bigger?

Leo Bigger leitet seit 1994 die von Heinz Strupler gegr├╝ndete „International Christian Fellowship“-Gemeinde in Z├╝rich. Inzwischen ist ICF mit ihm als Chef-├ältesten die gr├Â├čte Gemeinde der Schweiz.

Wegen seines gro├čen Erfolgs wurde er auch im Jahre 2002 auf die Deutsche Evangelisten-konferenz eingeladen. Sein Auftritt bewirkte einige Irritationen. Mit jugendlichem Schwung legte er los und verglich die anwesenden Evangelisten mit den Totengebeinen aus Hesekiel 37. Damit der Geist ├╝ber die, zumindest teilweise, verdorrten Verk├╝ndiger k├Ąme, blies er abschlie├čend im Gebet dreimal ins Mikrophon. Das war nun doch des Guten zu viel und auch Sympathisanten der charismatischen Fr├Âmmigkeit zeigten sich ├╝berrascht bis leicht schockiert. Leo Bigger wurde freundlich aber deutlich verabschiedet.

Dies offenbart ein zutiefst magisches Denken. Es f├╝gt sich problemlos in unsere Zeit und erinnert an Gal. 3,1. Von daher schwingt in der ICF-Bewegung, neben allen positiven und auch aufr├╝ttelnden Impulsen, doch gleichzeitig auch etwas anderes mit, die heute leider oft ├╝bliche Vermischung (2. Kor. 6,15-16).

Anl├Ąsslich ihres 15-j├Ąhrigen Gr├╝nderjubil├Ąums war als Starredner Reinhard Bonnke eingeladen. http://www.videoportal.sf.tv/video?id=93afd30d-8413-4bd8-8665-72f7e6b724d6

Dieser passt ziemlich nahtlos in diese neue Str├Âmung. Bei seinem Auftritt auf┬á der Feuer-Konferenz 1987 in Frankfurt br├╝llte er gleich siebenmal hintereinander ins Mikrophon: I release the fire of the Holy Ghost, (Ich setze das Feuer des Heiligen Geistes frei). Dieses scheinbare Verf├╝gen ├╝ber den Geist Gottes erinnert an ein Zitat von Saturnin Wasserzug: „Der Heilige Geist ist die herrlichste Gabe an die Gemeinde, wenn sie gehorcht und die gef├Ąhrlichste, wenn sie versucht, Ihn zu manipulieren.“

K├╝rzlich unterhielt ich mich mit einem Bibellehrer und wir kamen auch auf ICF zu sprechen.
Leo Bigger war vor einiger Zeit, es d├╝rfte schon einige Jahre her sein, nach W├Âlmersen auf das Neues Leben Seminar eingeladen worden. Zun├Ąchst konnte er viele Seminaristen mit seiner Art begeistern. Dann betonte er mehrfach, wie man Entscheidungen alleine treffen sollte. Wenn mehrere Verantwortliche Entscheidungen f├Ąllen, sei das nicht hilfreich.

Als dann einige Bibelsch├╝ler darauf hinwiesen, wie das in den Paulusbriefen doch anders dargelegt ist, spricht doch Paulus gew├Âhnlich im Zusammenhang mit der Leiterschaft von der Mehrzahl, nicht Einzahl bez├╝glich ├älteste, war Biggers Antwort: „Paulus kannte damals noch nicht die Prinzipien der heutigen modernen Management- und Marketingmethoden. H├Ątte er diese damals schon gekannt, h├Ątte er seine Briefe anders geschrieben.“ So oder so ├Ąhnlich hat er dies ausgedr├╝ckt.

Das Kennzeichen eines geistlichen Menschen ist gem├Ą├č 1. Kor. 14,37, dass man erkennt, dass es des Herrn Gebot ist, was Paulus schreibt (1. Kor. 14,37). Gem├Ą├č dieser Aussage war der Apostel scheinbar vom Heiligen Geist nicht richtig oder nicht vollst├Ąndig instruiert worden. Offenbar wusste der lebendige Gott vor 2000 Jahren noch nichts von den angeblichen Erkenntnissen, die wir in unsren Tagen meinen entdeckt zu haben.

ICF gebraucht statt ├älteste die Bezeichnung CEO, also Chief Executive Officer, ein Ausdruck aus der amerikanischen Gesch├Ąftswelt, was soviel hei├čt wie Vorsitzender, Pr├Ąsident der Gesch├Ąftsleitung, eine Art Generaldirektor also. Die Bezeichnung an sich w├Ąre unverf├Ąnglich, doch bei dieser neuen Bewegung herrscht ein starker Zentralismus, wie ja auch obiges Zitat nahe legt. Dieses autorit├Ąre F├╝hrungsprinzip wird nun auf die Gemeinde ├╝bertragen.

Beim D├╝nenhof-Festival erkl├Ąrte Leo Bigger als einer der Redner: „Gott versorgt uns durch seinen Geist mit Blitzgedanken, auf die wir h├Âren und vertrauen lernen m├╝ssen, sonst gehen wir an seiner Kraftausr├╝stung vorbei“ (ideaSpektrum 22/2015). Solche „Geistesblitze“ sind typisch f├╝r medial veranlagte Menschen. Es ├Ąhnelt dem auch immer popul├Ąrer werdenden „prophetischen oder h├Ârenden Gebet“. Es passt nahtlos in unsere Zeit der esoterischen Auf- und Dammbr├╝che. New Ager finden sich bei solchen Ph├Ąnomenen auf vertrautem Gebiet. Luk. 11,35 ist vielleicht die zutreffendste Ermahnung zu dieser Art von „Erleuchtungen“.

Auf seinem Link http://www.leobigger.com/ hei├čt es gleich als ├ťberschrift: Glaube an Gott, der an Dich glaubt! Das ist die typische Verlagerung von theo- zu anthropozentrisch. Es stellt den biblischen Sachverhalt auf den Kopf und ist kennzeichnend f├╝r eine Generation, die Eigenliebe in Erf├╝llung von 2. Tim. 3,2 zu einer Tugend erhoben hat.

Nach einem Auftritt von Leo Bigger im Rahmen eines ├Âkumenisch-evangelistischen Kreises in Bremerv├Ârde, kommentierte ein reifer und erfahrener Bruder, seiner Frustration eher freien Lauf lassend, folgenderma├čen diesen Vortrag: Ich habe mir den Vortrag auf youtube angesehen, angeh├Ârt: Intellektuell auf unterstem Niveau, theologisch zu 90% irref├╝hrend falsch und von der Darbietung auffallend anthropozentrisch. Die Zuh├Ârer, die meisten wohl Gl├Ąubige, haben (fast pausenlos) offensichtlich ihre eigene Unkenntnis der Bibel beklatscht ? geistlich unterstes Niveau. Angef├╝gt waren noch diese Zeilen: Entschuldigung, ich kann manchmal nicht mehr anders, als ironisch zu reagieren, weil es keine vern├╝nftige Basis mehr f├╝r einen sachlichen Diskurs gibt...

Selber habe ich einen Gottesdienst von ICF einmal in Z├╝rich besucht. Es war zwar nicht auf so einem beklagenswerten Niveau, wie es dieser Bruder schildert, doch manches ├Ąhnelte einem frommen Kindergarten auf theologisch ziemlich d├╝nner bis infantiler Ebene. Beleuchtet war nur die B├╝hne im Vordergrund. Wer eine Bibel mithatte, sa├č buchst├Ąblich im Dunkeln. Es erinnerte an die Charakterisierung des Paulus der Gl├Ąubigen zu Korinth, die er als geistliche S├Ąuglinge bezeichnete (1. Kor. 3,1-3). Im zweiten Brief muss er derselben Gemeinde sogar vorwerfen, wie sie einen fremden Geist gerne akzeptieren (2. Kor. 11,4),

Auf dieser Ebene einer ebenso naiven wie plumpen Vertraulichkeit liegt auch Biggers Zeugnis ├╝ber den Heiligen Geist. In seinem neuen Buch schreibt er abschlie├čend: Darum Danke, lieber Daddy im Himmel, dass du mir einen neuen Freund zur Seite gestellt hast, einen richtigen Goldjungen, deinen Heiligen Geist! Mamma mia. Bin ich gl├╝cklich!
(Leo Bigger - Geist Gottes, fontis Brunnen Basel).

Der andere gefeierte Redner auf dem D├╝nenhof war Johannes Hartl, ein Katholik und Vertreter der charismatischen Bewegung innerhalb der Kirche Roms. Sein Buch „In meinem Herzen Feuer“ zieht ziemliche Kreise. Dazu angef├╝gt eine Stellungnahme in Bibel und Gemeinde Nr. 1/2015.

Nun, jeder der nur etwas Ahnung von der geistlichen Ausrichtung des D├╝nenhofes hat, sollte dar├╝ber nicht allzu sehr ├╝berrascht sein. Anh├Ąnger der Mystik und des Schwarmgeistes sind dort gefragte Redner.

In einem Vortrag zu dem Thema Manifestationen des Heiligen Geistes erkl├Ąrt Johannes Hartl lange und breit, warum Menschen, wenn sie vom Heiligen Geist ber├╝hrt werden oder er mit ihnen betet, zittern, umfallen, von Energien durchstr├Âmt werden usw.
http://www.gebetshaus.org/medien/kategorie/kurz-input?page=3

Als Belegstellen werden aus der Bibel Argumente bem├╝ht, wie sie besonders im Zusammenhang mit dem Toronto-Segen sattsam bekannt wurden. Obwohl von menschlich gewinnender Art, kann ich ihn von diesen Darlegungen her nur als Extrem-Charismatiker einstufen.

Johannes Hartl ist auch wegen seiner Eloquenz nicht nur in der katholisch-charismatischen Str├Âmung ein neuer Star geworden. Dank der Remystifizierung der Evangelikalen, die mit Richard Fosters Megabestseller „Nachfolge Feiern“ vor ca. 30 Jahren ihren Anfang nimmt, wird er auch in der evangelikalen Welt immer beliebter und einflussreicher werden.

Den zunehmenden Einfluss kann man auch daran erkennen, dass Bigger und Hartl nicht nur am D├╝nenhof sprachen, sondern auch als besondere Referenten f├╝r den Willow Creek Leitungskongress Febr. 2016 in Hannover angek├╝ndigt sind. Auch f├╝r die von Campus f├╝r Christus Schweiz am Ende des Jahres geplante Explo 2015 in Luzern sind sie als begehrte Redner aufgef├╝hrt.

Fazit: Es erinnert diese Verk├╝ndigung in ihrer Theologie und Lehre an ein auf die Erwartungen des Publikums angepasstes „Christentum-light.“ Von Dr. Georg Huntemann gibt es den Ausspruch: „Diese Generation kann einen n├╝chternen Glaubenswandel nicht mehr ertragen. Sie braucht eine religi├Âse Sinnlichkeit bzw. sinnliche Religiosit├Ąt.“ Gestalten, die man noch vor gar nicht so langer Zeit in die Seelsorge gebracht h├Ątte, sind heute die Manager der „Erweckung“ und leuchtende Vorbilder f├╝r viele evangelikale Jugendliche geworden. Dahingegeben ist nicht nur gem├Ą├č R├Âm. Kap. 1 unsere gegenw├Ąrtige Generation, - die derzeitige Debatte um die Homo-Ehe sollte auch dem naivsten Evangelikalen und Schw├Ąrmer zeigen, in welch einer Zeit wir tats├Ąchlich leben - sondern leider auch ein erschreckend gro├čer Teil der Christenheit.

Es ist ersch├╝tternd, mit welch rasantem Tempo sich das moralische Klima in nur kurzer Zeit ge├Ąndert hat. Das Deutschland bzw. Europa von heute ist nicht mehr vergleichbar mit dem vor nur zehn Jahren. ├ähnliches hat sich auch in der evangelikalen Christenheit ? leider ? abgespielt. Ethische Positionen, die bis vor kurzem noch unantastbar schienen, werden auf einmal preisgegeben. Inzwischen mahnen auch f├╝hrende Evangelikale ein Umdenken z.B. in der Einstellung zur Homosexualit├Ąt an.

F├╝r mich ist dies auch in gewisser Hinsicht eine Erf├╝llung von Matth. 24, die Verse 11-12 in der Wiederkunftsrede unseres Herrn Jesus. Vers zw├Âlf spricht von der kommenden „anomia“, Gesetzlosigkeit. Vor unseren Augen werden die Gebote Gottes eingeebnet und mit der Gender-Ideologie erleben wir einen Frontalangriff gegen die g├Âttliche Ordnung der Familie. In dieser Zeit also werden gem├Ą├č Vers 11 die falschen Propheten auftreten. Der Erfolg ist garantiert, hei├čt es doch im selben Abschnitt, „sie werden viele verf├╝hren“. Bei einer neoevangelikalen Christenheit, deren Ma├čstab immer mehr der Erfolg und immer weniger die Lehraussagen der Schrift geworden ist, hat der Verf├╝hrer nat├╝rlich leichtes Spiel.

Bekanntlich beginnt das Gericht Gottes am Hause Gottes (1. Petr. 4,17). Die ganze Entwicklung erinnert an A.W. Tozers ber├╝hmtes Zitat: „Wenn wir mit der Theologie, die wir heute haben, eine Erweckung bekommen, bedeutet das f├╝r die Christenheit eine moralische Trag├Âdie, von der sie sich in 100 Jahren noch nicht erholt hat.“

Alexander Seibel


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