Was war die Lästerung des Heiligen Geistes?

Arnold Fruchtenbaum : Das Leben Jesu

Das Folgende stellt einen Auszug einer zwanzigst├╝ndigen Vortragsreihe des amerikanischen Judenchristen Arnold Fruchtenbaum dar. Der Schwerpunkt dieser tiefen Auslegungen, die durch eine genaue Kenntnis des Judentums der Zeit Jesu m├Âglich wurden, liegt auf den MESSIANISCHEN ZEICHEN UND WUNDERN. Dem Leser dieser Zeilen w├╝nsche ich gro├čen Gewinn. Er m├Âge gleich dem Hausbesitzer sein, der aus seinem Schatz altes und neues hervorholt. - J├╝rgen Neidhart, Pf r.

Johannes der T├Ąufer begann laut Matth├Ąus 3,1-3 seinen Dienst damit, da├č er das Kommen eines K├Ânigs - n├Ąmlich des Messias - verk├╝ndigte. Und indem er vom kommenden Messias predigte, begann eine messianische Bewegung. Laut den Gesetzen der Mischna (= m├╝ndlich ├╝berliefertes Gesetz der Juden) mu├čte der Hohe Rat beim Aufkommen einer messianischen Bewegung zwei Dinge unternehmen: Die erste Phase war die Phase der Beobachtung. Eine Delegation wurde von Jerusalem ausgesandt, um zu beobachten, was gesagt und getan wird. Sie sollten keine Fragen stellen und auch keine Kommentare abgeben. Nur beobachten: Nach einer gewissen Zeit des Beobachtens sollten sie zum Hohen Rat zur├╝ckkehren und dort einen Rapport erstatten und auch Fragen wie folgt beantworten: Ist die Bewegung von Bedeutung oder nicht? War sie unbedeutend, so hat man die ganze Sache fallen gelassen.

War sie bedeutend, dann formierte man in einer zweiten Phase eine neuerliche Delegation. Und die wurde nun ausgesandt, um konkrete Fragen zu stellen: "Wer bist du, und wer behauptest du zu sein? Und durch welche Vollmacht lehrst und tust du das, was du tust?" In Matth├Ąus 3, 7 -10 sehen wir die erste Phase der BEOBACHTUNG in Bezug auf Johannes des T├Ąufers. Wir lesen, da├č die Pharis├Ąer und die Sadduz├Ąer zu ihm und seiner Taufbewegung kamen, aber nicht, um getauft zu werden. Sie sind nur zum Beobachten da. Es wird deutlich gesagt, da├č, als sie ihre Beobachtungen abgeschlossen haben, sie dem Hohen Rat berichten, da├č es sich um eine bedeutende Bewegung handelt. Denn dann kommt eine zweite Delegation in Johannes 1,19 - 28, und dort stellen sie konkrete Fragen. Dreimal wird besonders erw├Ąhnt, da├č sie von Jerusalem gesandt wurden: Verse 19, 22 + 25. Sie wurden also von den Pharis├Ąern gesandt und stellen nun Fragen: Wer bist du? Wenn du nicht der Messias bist, bist du dann Elia? Wenn du nicht Elia bist, bist du dann der verhei├čene Prophet aus 5. Mose 18, 15? In jeder Hinsicht betont Johannes, da├č er nicht der Messias oder Elia oder der Prophet ist, sondern bezeichnet sich als Vorl├Ąufer des Messias, der in Jesaja 40 & Maleachi 3 vorhergesagt wurde.

Wir werden gleich sehen, wie diese beiden Phasen der Untersuchung des Hohen Rates auch auf Jesus angewandt werden.

Kurz nachdem Johannes vom Hohen Rat untersucht wurde, beginnt Jesus seinen Dienst. In Johannes 2,23 -25 lesen wir, da├č er seinen ├Âffentlichen Dienst in Jerusalem mit ├Âffentlichen (WUNDER-)ZEICHEN anf├Ąngt. Zu Beginn seines Dienstes dienten die Wunder als Zeichen f├╝r die NATION (Volk Israel): N├Ąmlich, um das Volk Israel zu einer Entscheidung zu bringen, da├č er der Messias sei. Sp├Ąter ├Ąnderte sich dieser Zweck, dieses Ziel seiner Wunder, wie wir sehen werden. Doch am Anfang hatten die Wunder Jesu die Zielsetzung, als Zeichen f├╝r die Nation zu gelten.

Unter denen, die diese Wunder beobachten, ist auch ein Mann namens Nikodemus, einer der Pharis├Ąer. Laut Johannes 3 kommt dieser zu Jesus, um Erkundigungen anzustellen. Wir m├╝ssen daran denken, da├č Nikodemus ein Pharis├Ąer war und deshalb auch an den pharis├Ąischen Judaismus glaubte...

Mit diesem Bericht ├╝ber Nikodemus haben wir den Inhalt des Konflikts Jesu mit den Pharis├Ąern aufgezeigt bekommen (Als Jude geboren zu sein, reicht nicht aus, um errettet zu sein). Obgleich wir nirgends lesen, da├č Nikodemus sich gegen Jesus stellte. Jesus stellte in Joh. 3 jedoch seine pharis├Ąische Lehre in Frage.

In der folgenden Zeit proklamiert Jesus weiter, da├č er der Messias sei, und er beweist auch diese Behauptung durch viele Wunder.

Jetzt kommen wir zu einem sehr entscheidenden Abschnitt in Lukas 5. Denn hier wird uns die Geschichte von der Heilung eines Auss├Ątzigen(Leprakranken) berichtet. Nirgendwo wird im Alten Testament nach dem Abschlu├č des Gesetzes die Heilung eines Juden vom Aussatz berichtet. Oft war es den Rabbinern m├Âglich, andere Krankheiten zu heilen - doch nicht den Aussatz: Auch gab es in j├╝dischen oder alttestamentlichen Quellen keinen einzigen Bericht von einer Heilung von Aussatz nach der Gesetzesmitteilung.

Mose schrieb jedoch zwei Kapitel in 3. Mose 13 + 14 mit detaillierten Angaben f├╝r die
F├╝hrer des Volkes, wie sie sich im Falle der Heilung eines Juden vom Aussatz verhalten sollten. Wenn ein Jude kommt und behauptet, er sei jetzt vom Aussatz; geheilt, dann mu├čte der Priester zuerst zwei V├Âgel opfern. Und dann mu├čte der "Geheilte" sich sieben Tage lang einer gr├╝ndlichen Untersuchung unterziehen, um herauszubekommen, ob er wirklich Aussatz hatte, und wie er geheilt worden war. Wenn die Priester nach den sieben Tagen zufriedengestellt sind, wurden am achten Tag nochmals drei Opfer gebracht, und das Blut dieser Opfer wurde beim ehemaligen Auss├Ątzigen angewandt. Danach wurde er mit ├ľl gesalbt. All diese Anweisungen gab es; doch sie wurden nie gebraucht. Und weil es keinen Bericht eines vom Aussatz geheilten Juden gab, haben die Rabbiner dies als ein MESSIANISCHES WUNDER deklariert. - Die Rabbiner teilten Wunder in zwei Kategorien ein: Zuerst gab es da die Wunder, die jeder tun konnte, wenn er die Kraft Gottes hatte. Auf der anderen Seite gab es die Wunder, die nur der Messias vollbringen konnte.
In dieser zweiten Kategorie f├╝hrten sie drei Hauptwunder auf, von denen das erste die Heilung eines Auss├Ątzigen war.

In Lukas 5,12 -16 heilt Jesus einen Auss├Ątzigen. Und dann sagt er zu ihm in Vers 14, er solle es niemanden erz├Ąhlen, sondern sogleich zu den F├╝hrern Israels (den Priestern) gehen, "ihnen (den F├╝hrern) zum Zeugnis". Und dieses Zeugnis besteht darin, da├č Jesus der Messias ist. Indem Jesus ihnen einen geheilten Auss├Ątzigen schickte, forderte er sie dadurch heraus, eine Entscheidung (betreffend seiner Messianit├Ąt) zu treffen. Sie h├Ątten zum Schlu├č kommen m├╝ssen, da├č dieser Mann auss├Ątzig gewesen war und nun geheilt war. Und indem sie so vorgegangen w├Ąren, h├Ątten sie den Messiasanspruch Jesu an erkennen m├╝ssen.

Wie sie aber in Wirklichkeit reagierten, sehen wir in den Versen 17 - 26. In Vers 17 wird uns mitgeteilt, da├č die F├╝hrer des Volkes Israel von ├╝berall her zusammengekommen waren: Pharis├Ąer und Schriftgelehrte, die aus allen Orten in Galil├Ąa und Jud├Ąa und von Jerusalem gekommen waren. Und das Ganze fand in Galil├Ąa statt, wohin Rabbiner nicht gerne gingen. Nun, was machen all diese F├╝hrer des Volkes Israel dort? Was hat sie dazu bewegt, aus ganz Israel zusammenzukommen? Das ist ihre REAKTION auf die Herausforderung, die sie durch die Heilung des Gel├Ąhmten bekommen hatten. Jesus mu├č sich jetzt der ERSTEN PHASE, der Phase der Beobachtung, unterziehen. Die Pharis├Ąer stellen keine Fragen, sie beobachten nur.

W├Ąhrend sie gerade Jesu Lehre untersuchen, wird nun ein Gichtbr├╝chiger (Gel├Ąhmter) zu Jesus gebracht. Doch anstatt ihn zu heilen, sagt Jesus nur: "Dir sind deine S├╝nden vergeben." (Lk. 5,20). Das l├Âst dann einen Sturm der Emp├Ârung aus unter den j├╝dischen F├╝hrern. Bekanntlich kann ja nur einer S├╝nde vergeben, und das ist Gott. Wieso kann dann also Jesus behaupten, er habe die Vollmacht, S├╝nden zu vergeben? - Die F├╝hrer sind lediglich untereinander aufgebracht, denn sie d├╝rfen jetzt noch keine Fragen stellen. Doch Jesus wendet sich ihnen zu und sagt: "Ich wei├č, was ihr denkt:" Und er stellt ihnen eine Frage: "Was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine S├╝nden vergeben, oder dem Gichtbr├╝chigen zu sagen: Stehe auf und wandle?" Leichter ist es zu sagen: Dir sind dein S├╝nden vergeben. Denn daf├╝r ben├Âtigt man keine ├Ąu├čeren Beweise. Nichts, was man beobachten k├Ânnte. Ich k├Ânnte jetzt zu euch allen sagen: "Alle eure S├╝nden sind euch v├Âllig vergeben" ; und ihr k├Ânnt mir nicht nachweisen, ob ich recht habe oder nicht. Denn solch eine Art von Feststellung erfordert keine sichtbare Manifestation. Wenn aber jemand mit zwei gebrochenen Beinen zu mir kommt, und ich zu ihm sage: "Ich heile dich jetzt, damit du laufen und tanzen kannst", so ist das eine schwierige Aussage, denn sie verlangt einen sofortigen Beweis. Denn dann mu├čt du tats├Ąchlich aufstehen und laufen k├Ânnen:

Jesus will hier sagen, da├č er beweisen wird, da├č er das Einfachere sagen kann: Deine S├╝nden sind dir vergeben, indem er das Schwierigere tut - indem er diesen Mann heilt. Er tut also nun das Schwierigere und heilt ihn. Daf├╝r gibt es einen sofortigen Beweis, da der Mensch aufsteht und geht. Deshalb kann Jesus auch das Einfachere sagen: Deine S├╝nden sind dir vergeben. Und indem Jesus die Vollmacht, S├╝nden zu vergeben, f├╝r sich in Anspruch nimmt, sagt er damit, da├č ER GOTT IST. Und gem├Ą├č des Alten Testamentes mu├čte der Messias beides sein - Gott und Mensch.

Von diesem Zeitpunkt an mu├č sich Jesus der ZWEITEN PHASE unterziehen, der Phase der UNTERSUCHUNG. Von nun an stellen sie ihm Fragen, warum er dies oder jenes tue, oder warum er es nicht tue. Und dies solange, bis sie das Urteil f├Ąllen, da├č er nicht der Messias sei.
Liest man weiter in Lukas 5, dann sieht man, wie sich der Konflikt weiterentwickelt (Fastenfrage, Sabbatfrage etc.). Jesus bringt etwas v├Âllig Neues, doch die Pharis├Ąer entscheiden sich lieber f├╝r das Alte (Lk. 5, 36ff. )...

Wir sahen, da├č der Konflikt mit den Pharis├Ąern schon mit Johannes dem T├Ąufer begann. Nun kommen wir zu Matth├Ąus 11,2-19, wo Jesus den Grund angibt, warum die Pharis├Ąer Johannes abgelehnt hatten. In den Versen 16-19 wird ein Unterschied sichtbar zwischen den angegebenen und wirklichen Gr├╝nden. Der wirkliche Grund, warum sie Johannes ablehnten war der, da├č er nicht nach ihrer Weise handelte; d.h. da├č er den pharis├Ąischen Judaismus ablehnte. Und so nimmt er dieses Beispiel von den Kindern, die nicht tanzen oder spielen, so wie es ihnen vorgeschrieben wird. Das ist der wirkliche Grund, weshalb sie ihn ablehnten: Er war nicht bereit, nach ihrer Art und Weise zu handeln. Aber der angegebene Grund war, der, da├č Johannes von D├Ąmonen besessen war. Mit dieser Begr├╝ndung lehnten sie ihn ab.

Schauen wir jetzt Matth├Ąus 12 an, weil dies das wichtigste Kapitel im Leben Jesu ist, mit Ausnahme der Kapitel, die seinen Tod und seine Auferstehung behandeln.

In diesem Kapitel finden wir einen WENDEPUNKT im ├Âffentlichen Dienst Jesu. Vieles wird sich von nun an ver├Ąndern. Wenn wir es nicht verstehen, was hier passiert, werden wir auch sp├Ąter nicht verstehen, warum gewisse Dinge sich gerade so zutragen und nicht anders. In V.22 treibt Jesus einen D├Ąmon aus, der eine Person so in Besitz genommen hat, da├č sie nicht sprechen konnte. In V.23 sehen wir, wie das Volk deshalb eine Frage stellt: ┬äIst dieser nicht der j├╝dische Messias? Ist er nicht der Sohn Davids?┬ô Nun, warum w├╝rden sie so reagieren, wenn Jesus hier einen stummen D├Ąmon ausgetrieben hat? Jesus hat fr├╝her auch schon andere D├Ąmonen ausgetrieben, aber sie haben nicht diese Frage gestellt. Warum nicht? Warum gerade jetzt?

Im Judaismus wurden D├Ąmonenaustreibungen auch praktiziert. Die Pharis├Ąer und ihre J├╝nger haben oft D├Ąmonen ausgetrieben. Jesus sagt es auch in Vers 27, wenn er die Pharis├Ąer fragt "Durch wen treiben eure S├Âhne die D├Ąmonen aus?" .

Im Judaismus mu├čte man, um D├Ąmonen auszutreiben, ein spezielles Ritual befolgen. In diesem Ritual mu├čte man zuerst eine Kommunikation mit dem D├Ąmon herstellen. Wenn ein D├Ąmon spricht, dann gebraucht er die Stimmb├Ąnder des Menschen, den er beherrscht. Nachdem der. Kontakt hergestellt worden war, mu├čte man auch den Namen des D├Ąmons erfragen. Und nur nachdem man den Namen erfahren hatte, konnte man diesen benutzen und ihn damit zwingen auszufahren. Bei anderen Gelegenheiten benutzt Jesus diese j├╝dische Methode. Als Beispiel fragt Jesus in Markus 5,9 "Wie hie├čest du?" Der D├Ąmon antwortet: "Ich hei├če LEGION, den wir sind viele." Doch eine Art von D├Ąmonen konnte der Judaismus nicht austreiben: die Art eines D├Ąmons, die eine Person stumm machte, so da├č er nicht sprechen konnte. Und wenn er nicht sprechen konnte, dann konnte man auch keine Kommunikation herstellen. Man konnte auch nicht den Namen des D├Ąmons feststellen, und somit konnte man ihn nicht austreiben. Doch die Pharis├Ąer lehrten: Wenn der Messias komme, dann w├╝rde er auch diese Art eines D├Ąmons austreiben k├Ânnen. Das ist das zweite der messianischen Wunder. Und in V. 22 lesen wir, da├č es diese Art eines D├Ąmons ist, die der Herr Jesus austreibt. Und darum stellen die Leute die Frage: "Ist dieser nicht Davids Sohn?" Schlie├člich vollbringt hier Jesus exakt die Wunder, die - so waren sie von Kindheit an gelehrt worden - nur der Messias tun konnte. Das j├╝dische Volk wollte diese Frage aufgreifen, aber sie wollen nicht selber eine Entscheidung dar├╝ber treffen. Lieber schauen sie zu ihren F├╝hrer, damit diese f├╝r sie eine Entscheidung tr├Ąfen.

Auch heute, wenn wir Juden, die wir an Jesus glauben, unseren anderen j├╝dischen Freunde mitteilen, warum wir glauben, da├č Jesus der Messias ist, haben sie immer den gleichen Einwand: Wenn Jesus wirklich der Messias ist, warum glauben dann unsere F├╝hrer nicht an ihn?

Die Pharis├Ąer stehen jetzt vor einer Alternative. Sie m├╝ssen im Licht dieses messianischen Wunders und aufgrund der Frage des Volkes w├Ąhlen. Entweder m├╝ssen sie erkl├Ąren: Er ist der Messias, oder, wenn er es nicht ist, wie er solche Wunder tun konnte, die wie sie selbst gelehrt hatten - nur der Messias tun k├Ânnte.

In Vers 24 entscheiden sich die Pharis├Ąer f├╝r die zweite Erkl├Ąrungsm├Âglichkeit. Sie erkl├Ąren, da├č er nicht der Messias ist, und der Grund, warum er diese Wunder tun kann, ist der: Jesus ist durch den Obersten der D├Ąmonen, Beelzebub, besessen. Das sind zwei hebr├Ąische W├Ârter und bedeuten: der Herr der Fliegen.

Das wird nun die Grundlage f├╝r die Ablehnung des messianischen Anspruches Jesu: Er ist nicht der Messias, weil er d├Ąmonisch besessen ist.
In den Versen 25 - 28 tr├Ągt Jesus seine Verteidigung vor.

Erstens kann das nicht stimmen, weil es bedeuten w├╝rde, da├č im Reich Satans eine Trennung ist ("uneins").
Zweitens wurde anerkannt, da├č die Gabe des Exorzismus eine Gabe des Heiligen Geistes war.
Drittens bewies dieses Wunder laut ihrer eigenen Theologie, da├č er der Messias ist.
Viertens zeigt es, da├č Christus st├Ąrker ist als Satan und nicht sein Gefangener.

In den Versen 29 - 37 spricht er dann eine Verurteilung dieser Generation Israel seiner Tage aus. DIESE Generation hat sich nun der unvergebbaren S├╝nde schuldig gemacht. Und diese S├╝nde ist die Ablehnung des unter ihnen gegenw├Ąrtigen Messias mit der Begr├╝ndung, da├č er von D├Ąmonen besessen sei. Dies ist keine individuelle, sondern nationale S├╝nde, die von der Generation zur Zeit Jesu begangen wurde. Und diese kann man nicht auf andere j├╝dische Generationen anwenden, Es ist keine S├╝nde, die ein Einzelner begehen k├Ânnte, auch kann sie heute nicht begangen werden.

J e n e Generation unterliegt jetzt dem Gericht. Und weil diese S├╝nde unvergebbar ist, kann auch das Gericht nicht abgewendet werden. Dieses Gericht kam 40 Jahre sp├Ąter, im Jahre
70 nach Christus, mit der Vernichtung Jerusalems und des Tempels und der weltweiten Zerstreuung des j├╝dischen Volkes.

Wir werden sehen, da├č von diesem Zeitpunkt an immer wieder zwei wichtige W├Ârter auftauchen werden: DIESE GENERATION, weil diese Generation sich einer einzigartigen S├╝nde schuldig gemacht hat.

In Vers 38 sehen wir, da├č die Pharis├Ąer noch ein anderes Zeichen fordern. Als ob Jesus bis jetzt noch nichts getan h├Ątte, um seine Messianit├Ąt zu beweisen. Er hatte viele Wunder getan, sogar die Wunder, die sie messianische Wunder genannt hatten. Trotz alledem haben sie seinen Messiasanspruch abgelehnt. Darum sagt Jesus, da├č es f├╝r diese Generation keine weiteren Zeichen mehr geben w├╝rde, au├čer einem: das Zeichen Jona, welches ist das Zeichen der Auferstehung.

Bisher war der Zweck der Wunder Jesu: Zeichen f├╝r die Nation zu sein damit die Nation r (Israel) zu einer Entscheidung k├Ąme. Jetzt ist diese Entscheidung gefallen: Er ist nicht der Messias, weil er d├Ąmonisch besessen ist. Darum erh├Ąlt die Nation kein Zeichen mehr mit Ausnahme dieses einen: das Zeichen Jona, das ein Zeichen der Auferstehung ist. Nachdem Jesus sein neues Vorgehen, betreffend der Zeichen, verk├╝ndigt hatte, spricht er weiter Gerichtworte aus. Er erw├Ąhnt das Beispiel zweier heidnischer Gruppen: die Leute von Ninive und die K├Ânigin von Saba (Verse 41 + 42). Diese Heiden werden im J├╝ngsten Gericht bestehen k├Ânnen und diese besondere j├╝dische Generation verdammen, weil sie die unvergebbare S├╝nde begangen hat. Und wiederum liegt die Betonung auf DIESE GENERATION. Und das, weil diese Heiden nicht so viel Licht (Erkenntnis) hatten um verantwortlich zu sein, aber sie antworteten (auf den Ruf zur Bu├če). Doch diese Generation hatte das ganze Alte Testament, auch den Dienst Johannes des T├Ąufers, der das baldige Kommen des K├Ânigs angek├╝ndigt hatte, und sogar den Dienst Jesu selbst. Doch trotz all dieses besonderen Lichtes (Erkenntnis), haben sie Jesus abgelehnt. Und daher haben sie eine sehr einzigartige Schuld auf sich geladen.

Die Gerichtsworte werden mit dem Bericht ├╝ber einen D├Ąmon zum Abschlu├č gebracht.
Ein D├Ąmon verl├Ą├čt einen Menschen, um eine bessere Behausung zu finden, in der er wohnen kann. Er sucht einige Zeit, aber er findet nichts frei. So kehrt er zur├╝ck zu jener Person, in der er zuvor gewesen war. Und die findet er immer noch leer vor. Darum geht er wieder hinein in diesen Menschen, aber er will nicht allein bleiben. Er l├Ądt sieben seinen Freunde ein, mit ihm die Wohnung zu teilen. Und der letztere Zustand ist schlimmer als der erstere. Denn am Anfang war er nur von einem D├Ąmon besessen, doch nun hat er acht D├Ąmonen in sich. Der Schl├╝ssel zu dieser Geschichte ist der letzte Satz von Vers 45: "So wird es auch diesem b├Âsen Geschlecht ergehen." Wieder liegt die Betonung auf DIESEM GESCHLECHT (dieser Generation).

Als diese Generation begann, stand sie unter r├Âmischer Herrschaft. Die Nation war nichtsdestoweniger intakt. Jerusalem stand noch, und der Tempeldienst funktionierte. Doch
40 Jahre sp├Ąter sollte Jerusalem und der Tempel vernichtet werden und die Juden zerstreut werden. Also war der letztere Zustand dieser Generation schlimmer als der erstere. Von diesem Zeitpunkt an ├Ąndert sich das Wesen des Dienstes Jesu total. Es ├Ąndert sich
in vier Bereichen:

Erstens im Bereich der ZEICHEN. Diese sind jetzt nicht mehr daf├╝r da, da├č die Nation eine Entscheidung treffen kann, sondern vielmehr f├╝r die Schulung der zw├Âlf J├╝nger, f├╝r die neue Aufgabe, die sie jetzt zu vollbringen hatten, wegen dieser Zur├╝ckweisung Jesu.

Zweitens im Bereich der WUNDER. Es sind nicht mehr Wunder f├╝r die Volksmassen, sondern vielmehr Antwort auf die N├Âte einzelner: Und diesen Einzelnen wurde verboten, jemandem davon etwas weiterzusagen. Bisher wurde einer Person, die geheilt worden war, aufgetragen, sie solle all das, was Gott an ihr getan habe, hinausrufen. Doch ab jetzt wurde ihnen befohlen, dar├╝ber zu schweigen.

Drittens im Bereich der BOTSCHAFT. Bisher hatte Jesus ├╝berall proklamiert, da├č er der Messias sei. Zwei Kapitel zuvor, in Mt. 10, sandte Jesus seine J├╝nger aus, um zu proklamieren, da├č er der Messias sei. Doch nun wurden seine J├╝nger angewiesen, sie sollten niemandem sagen, da├č er der Messias sei.

Viertens im Bereich der WEITERGABE SEINER┬á LEHRE. Bisher lehrte Jesus das Volk so klar, da├č sie es verstehen konnten. Als Beispiel sei auf Mt. 5 - 7 verwiesen. Am Ende seiner langen (Berg-)Predigt wird berichtet, da├č das Volk klar verstanden hat, was er gesagt hat, und worin er sich von den Pharis├Ąern und Schriftgelehrten unterschieden hat. Doch nun - mit dem Beginn des n├Ąchsten Kapitels (Mt. 13)- lehrt Jesus das Volk nicht mehr klar (und deutlich), sondern in Gleichnissen. In Matth├Ąus 13,10 fragen die J├╝nger: "Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen?" Und Jesus antwortet: Der erste Grund ist, um die Wahrheit den J├╝ngern klarzumachen. Aber dem Volk soll die Wahrheit verborgen bleiben. Sp├Ąter, in den Versen 34 + 35, wird berichtet, da├č Jesus zum Volk nur noch in Gleichnissen gesprochen hat. Doch wenn er mit seinen J├╝ngern allein war, hat er ihnen alles erkl├Ąrt. Die unvergebbare S├╝nde ist nun bereits begangen worden. Und weil sie nicht vergeben werden kann, werden sie auch kein weiteres Licht bekommen.

Von diesem Zeitpunkt an ├Ąndert sich der Dienst Jesu in allen diesen vier Bereichen.
Wir sehen, da├č er jetzt auch au├čerhalb des Landes reist. Er will auch nicht, da├č die Juden wissen, da├č er gegenw├Ąrtig ist. Denn jetzt ist ja sein Ziel, seine zw├Âlf J├╝nger zu schulen. Und wenn er zu dem Volk spricht, dann immer in einer Sprache (Gleichnisse etc., die es nicht verstehen kann. Denn das ist von jetzt an seine Methode... Vgl. Mt. 16, 20:

Nun kommen wir zu Johannes 9.
In den Versen 1 + 2 wird berichtet, da├č Jesus mit seinen J├╝ngern an einem Mann vorbeiging , der von Geburt an blind war. Die J├╝nger stellen eine seltsame Frage: "Rabbi, wer hat ges├╝ndigt, dieser oder seine Eltern, so da├č er blind geboren ist?"

Diese eigenartige Frage besteht darin: Man k├Ânnte vielleicht verstehen, warum dieser Mann blind geboren wurde - n├Ąmlich wegen der S├╝nde seiner Eltern. Das Gesetz sagt ja, da├č Gott die S├╝nden der Eltern an den Kindern heimsuchen wird (2. Mose 20,5). Dieser Teil der Frage ist daher nicht seltsam. Aber sie haben auch gefragt: "Hat dieser Mensch ges├╝ndigt, so da├č er blind geboren wurde?" Wie h├Ątte dieser Mensch s├╝ndigen k├Ânnen, bevor er geboren wurde und ist dadurch eben blind geboren worden?

Die Frage zeigt etwas dar├╝ber auf, wie die J├╝nger in einer judaistischen Schule gelehrt worden waren. Im pharis├Ąischen Judentum hat der Ph├Âtus im Mutterleib eine gute und eine┬á schlechte Seite. Und es k├Ânnte sein, da├č seine b├Âse Seite im Mutterleib die gute Seite ├╝berwand, und so wurde er seiner Mutter b├Âse und trat sie. Da├č man seine Mutter im Mutterleib trat, war eine S├╝nde. Daher ist er blind geboren worden. Im pharis├Ąischen Judaismus war jeder "Defekt" durch eine spezielle S├╝nde verursacht worden, entweder durch die S├╝nde der Eltern, oder dieses Kindes im Mutterleibe.

Zuerst verneint Jesus die Wahrheit dieser Lehre. Weder er noch seine Eltern haben sich einer speziellen S├╝nde schuldig gemacht, so da├č er dadurch blind geboren w├Ąre. "Sondern an ihm sollen die Werke Gottes offenbar werden." In den Versen 1-11 sehen wir, wie er den Blindgeborenen heilt. In den folgenden Versen sehen wir, wie die Pharis├Ąer dadurch wieder aufgebracht werden. Warum schuf diese Heilung solch eine Reaktion?

Weil es das dritte der drei messianischen Wunder ist. Es besteht ein gro├čer Unterschied zwischen der Heilung eines Menschen, der blind wurde, und der eines Blindgeborenen.
Und weil dies ein messianisches Wunder ist, reagieren die Pharis├Ąer. Zuerst fragen sie den Geheilten und m├Âgen seine Folgerungen nicht. "Ja, vielleicht war er gar nicht blind geboren worden." Dann rufen sie seine Eltern, und diese best├Ątigen: "Ja, er ist blind geboren worden." Jetzt versuchen sie, das Ganze unwirksam zu machen und fangen an, den Mann noch einmal zu befragen. In Vers 24 sagen sie etwas Seltsames: "Gib Gott die Ehre: Wir wissen, da├č dieser Mensch (Jesus) ein S├╝nder ist." Doch normalerweise ehrt man Gott nicht dadurch, da├č ein anderer s├╝ndigt. wer geht schon umher und sagt: "Preis den Herrn, er ist ein S├╝nder." Aber hier denken sie nicht mehr logisch. Der Geheilte stellt nun ihnen eine Frage. "Was er ist, das wei├č ich nicht. Aber erkl├Ąrt mir das: Ich bin blind geboren, doch nun kann ich sehen. Ihr habt mich gelehrt, da├č dies ein Wunder ist das nur der Messias tun k├Ânnte." Da fragen sie ihn: "Erz├Ąhl uns noch einmal die ganze Geschichte, wie hat er es gemacht?" Doch nun sagt der Geheilte etwas, was vielleicht nicht so ganz klug war. In Vers 27 fragt er sie: "Warum wollt ihr die ganze Geschichte noch einmal h├Âren? Wollt ihr auch seine J├╝nger werden?" Es war kein Geringes, das den Pharis├Ąern zu sagen. Nun fangen sie an, ihn zu verspotten. "Vielleicht bist du einer seiner J├╝nger, wir aber sind Moses J├╝nger. Wir wissen woher Moses ist, woher aber dieser kommt, wissen wir nicht." Und da antwortet der Mann in Vers 30: "Das ist doch seltsam, da├č ihr nicht wi├čt, woher er kommt, und dabei hat er mich sehend gemacht." Und in V. 32 "Vom Anfang der Welt an hat man noch nie geh├Ârt, da├č jemand einen Blindgeborenen sehen gemacht hat." Er erinnert sie an ihre eigene Theologie: Derjenige, der einen Blindgeborenen heilen kann, ist der Messias.

Die Reaktion auf das dritte messianische Wunder ist die Exkommunikation (der Ausschlu├č) des Geheilten aus der Synagoge.

So erkennen wir den GRUNDTREND:
Die Reaktion auf das erste messianische Wunder, der Heilung eines Lepra-Kranken, war der Beginn der Untersuchungen des Hohen Rates (Synedriums).
Die Reaktion auf das zweite messianische Wunder, das Austreiben eines stummen D├Ąmons, war die Ablehnung der Messianit├Ąt mit der Begr├╝ndung, Jesus sei besessen.
Die Reaktion auf das dritte messianische Wunder, der Heilung eines Blindgeborenen war der Ausschlu├č aus der Synagoge.

Jetzt schauen wir uns Lukas 16,19-31 an.
W├Ąhrend des Dienstes Jesu nach seiner Verwerfung kommen die Pharis├Ąer in regelm├Ą├čigen ,
Abst├Ąnden zu Jesus, um ein weiteres Zeichen zu fordern. Aber die Antwort bleibt immer dieselbe: F├╝r das Volk wird es keine Zeichen mehr geben, au├čer einem, dem Zeichen des Jona, das ein Zeichen der Auferstehung ist. F├╝r Israel werden drei verschiedene Zeichen kommen: Zuerst das Zeichen der Auferstehung des Lazarus; zweitens die Auferstehung Jesu und drittens die Auferstehung der zwei Zeugen in den letzten Tagen. Bevor nun Jesus dieses erste Zeichen des Jona gibt, erz├Ąhlt er die Geschichte ├╝ber den reichen Mann und den armen Lazarus.

Im pharis├Ąischen Judaismus hei├čt es: Wen der Herr liebt, den macht er reich. Also war Reichtum ein Zeichen der g├Âttlichen Gunst. Laut pharis├Ąischer Theologie war der Reiche im Himmel und der Arme in der H├Âlle. Doch das Gegenteil passiert nun: Beide sterben, einer kommt in die H├Âlle (Hades), der Reiche, und der Arme kommt in Abrahams Scho├č. Das ist noch nicht der Himmel, sondern ein vor├╝bergehender Ort, bis Jesus f├╝r die Heiligen gestorben sein wird. An diesem Ort, (hebr├Ąisch: Scheol; griechisch: Hades) gab es zwei Abteilungen: die schlechte und die gute Seite. Sie konnten sich sehen und miteinander sprechen, aber sie konnten sich nicht gegenseitig besuchen. Einer ist in Qual und der andere wird getr├Âstet. Der Reiche bittet um einige Tropfen Wasser, damit es ihm k├╝hler wird. Und Abraham erinnert ihn, da├č der Arme unm├Âglich auf die andere Seite hin├╝ber kann. Nun besch├Ąftigt sich der Reiche mit seinen noch lebenden Br├╝dern. Er bittet Abraham, da├č der Arme wieder zum Leben erweckt w├╝rde. Er soll jene Br├╝der warnen, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual k├Ąmen. Abraham sagt jedoch: "Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie h├Âren." Doch der Reiche antwortet: "Sie werden Mose und den Propheten nicht glauben, aber sie werden glauben, wenn einer von den Toten aufersteht." Da sagt Abraham: "Wenn sie Mose und den Propheten nicht glauben, dann werden sie auch nicht glauben, wenn einer von den Toten aufersteht." Wenn man der Heiligen Schrift nicht glaubt, dann sind auch Wunder nutzlos.

Es ist kein Zufall, da├č der Name des Lahmen LAZARUS ist. Es ist nicht der gleiche Lazarus, der auferweckt wurde. Doch es ist derselbe Name. Und durch diese Assoziation warnt Jesus schon, da├č, wenn das Zeichen des Jona, also der Auferstehung gegeben werden wird, es abgelehnt werden wird.

Und an dieser Stelle kommen wir zu Johannes 11.
Hier werden uns 44 Verse gegeben, die uns in einer detaillierten Weise die Auferweckung des Lazarus beschreiben. Lazarus ist nicht die erste Person, die Jesus von den Toten auferweckte, doch die anderen Auferweckungsberichte wurden mit drei oder vier Versen erz├Ąhlt. Und sie wurden auch nur von einigen wenigen miterlebt. Und die sollten auch den anderen nichts davon sagen. Im Falle des Lazarus gibt es sehr viele Verse. Warum hat dies eine Bedeutung? Weil dies das Zeichen ist, das Jesus dem Volk versprochen hatte. Und wenn dieses Zeichen gegeben wird, dann m├╝ssen sie darauf reagieren. Und wenn wir die verstehen, dann verstehen wir, warum die Dinge so geschehen, wie sie geschehen.

In den ersten f├╝nf Versen bringt man Jesus die Nachricht: Lazarus ist krank. Der Grund f├╝r diese Nachricht ist der, da├č Jesus zu Lazarus kommen sollte, bevor er st├╝rbe.

Als Jesus h├Ârt, da├č Lazarus krank ist, unternimmt er jedoch nichts. In Vers 6 wird uns berichtet, da├č Jesus wegen der Erkrankung seines Freundes gerade am gleichen Ort blieb. Es ist notwendig, da├č Lazarus stirbt. Nach seinem Tod macht sich Jesus auf den Weg. Als er dann am Ziel ankommt, ist Lazarus schon vier Tage tot. Die Erw├Ąhnung der "vier Tage" ist von Bedeutung, denn laut j├╝discher Tradition bewegt sich der Geist des Toten drei Tage lang ├╝ber seinen Leib. Und w├Ąhrend dieser drei Tage gibt es noch eine M├Âglichkeit der Wiederbelebung. Doch am vierten Tag geht der Geist nach unten. Zu diesem Zeitpunkt besteht keine Wiederbelebungsm├Âglichkeit mehr. Also auch laut j├╝discher Tradition kann das, was nun geschieht, nicht als Wiederbelebung abgetan werden.

In Vers 42 erz├Ąhlt uns Jesus genau, f├╝r wen das Wunder geschehen ist. Es ist um des Volkes willen geschehen. Und wenn dieses Zeichen gegeben wird, dann m├╝ssen sie darauf reagieren. Als nun Lazarus auferweckt wurde, und das erste Zeichen des Jona gegeben wurde, da kommen auch viele Juden zum Glauben. Doch ihre zweite Reaktion besteht darin, da├č sie zu den Pharis├Ąern rannten, um das zu berichten. Weil diese sehr wohl wissen, da├č das das Zeichen ist, das Jesus ihnen versprochen hat, m├╝ssen sie auch reagieren.

Und jetzt trifft sich der Hohe Rat in den Versen 47 - 53. Ihr jetziger Beschlu├č geht ├╝ber den von Matth├Ąus 12 weit hinaus. Dort lehnten sie lediglich seinen messianischen Anspruch ab. In Johannes 11 jedoch beschlie├čen sie, die Todesstrafe ├╝ber Jesus zu verh├Ąngen. Und der Hauptverantwortliche (F├╝hrer) f├╝r diese Entscheidung des Hohen Rates ist der Hohepriester.

Das n├Ąchste, was nun passiert, steht in Lukas 17, 11 - 19. Nun heilt Jesus zehn Auss├Ątzige und schickt sie zum Hohenpriester. Hier k├Ânnen wir so etwas wie g├Âttlichen Humor feststellen. Zuvor heilte Jesus nur einen Auss├Ątzigen. Danach begann der Hohe Rat mit seinen Untersuchungen. Das war n├Ąmlich ein messianisches Wunder. Und nun werden gerade zu dem, der den Hohen Rat dazu gebracht hat, da├č sie Jesus umbringen wollen, zehn Auss├Ątzige geschickt. Zehn mal mehr als fr├╝her! Dieses Wunder mu├č er nun auch untersuchen. Zehn mal mehr mu├č er nun die Heilung von Auss├Ątzigen best├Ątigen. Zehn mal mehr mu├č er anerkennen, da├č Jesus dieses Wunder vollbracht hat. Zehn mal mehr bekommt er das Zeugnis, da├č Jesus der Messias ist, obgleich Jesus vom Hohenpriester (Hohen Rat) verworfen wurde.

Zum Schlu├č betrachten wir noch Matth├Ąus 23.
Das ganze Kapitel stellt eine Warnung vor den F├╝hrern Israels dar. Sieben Wehe-Rufe werden ├╝ber die Pharis├Ąer ausgesprochen. Wir sehen darin folgende Entsprechungen: Das erste und das letzte Wehe behandeln die gleiche S├╝nde. Im ersten Wehe in Vers 13 werden die Pharis├Ąer wegen zwei Dingen verurteilt: Erstens lehnen sie seine Messianit├Ąt ab und zweitens f├╝hren sie auch das ganze Volk dazu, Jesu Messianit├Ąt abzulehnen.

Dann kommen die 2., 3., 4., 5. + 6. Wehe-Rufe, die alle spezifisch - pharis├Ąische, heuchlerische S├╝nden behandeln. In Vers 29 kommt Jesus dann zum 7. Wehe-Ruf. Dort sagt er als Quintessenz: F├╝r alles, was bisher geschehen ist, sind sie verantwortlich, einschlie├člich des gesamten Alten Testaments. In Vers 35 nennt Jesus dann die Namen zweier Personen. Warum gerade diese zwei? Die j├╝dische Reihenfolge des Alten Testaments unterscheidet sich von der unsrigen. Jesus gebraucht nat├╝rlich die j├╝dische, nicht die moderne christliche Reihenfolge. Das erste Buch in der hebr├Ąischen Bibel ist dasselbe: 1. Mose, doch das letzte Buch ist nicht Maleachi, sondern 2. Chronik. ABEL kommt im ersten Buch Mose vor, und Zacharias im letzten Buch, der 2. Chronik. Jesus sagt also mit anderen Worten: Ihr seid verantwortlich f├╝r den ganzen Umfang der Schrift, von 1. Mose bis 2. Chronik, oder wie wir heute sagen w├╝rden: von 1. Mose bis zur Offenbarung.

Merken wir, wer sich laut Vers 36 schuldig gemacht hat? "Wahrlich ich sage euch, da├č solches alles wird ├╝ber diese Generation kommen." DIESE GENERATION wird verantwortlich gemacht werden f├╝r alles vergossene Blut der alttestamentlichen Heiligen. Und diese Generation hat sich auch dieser einzigartigen, unvergebbaren S├╝nde schuldig gemacht.

In den Versen 37- 39 beendet Jesus seinen ├Âffentlichen Dienst mit einer Klage. In Vers 37 fa├čt er seinen Dienst f├╝r Israel folgenderma├čen zusammen: Wie oft wollte er Jerusalem den durch die Propheten verhei├čenen Schutz geben, doch sie wollten es nicht. Und darum wird laut Vers 38 ihr Haus, der Tempel, nun zerst├Ârt werden. Und dann sagt Jesus in Vers 39 noch etwas Wichtiges: Sie werden ihn von jetzt an nicht mehr sehen, bis sie sprechen: "Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!"

Diese letzten Worte stellen ein Zitat aus einem messianischen Psalm dar: Psalm 118,26. Das wu├čten die Rabbiner und lehrten deshalb, da├č wenn der Messias kommen w├╝rde, man ihn mit diesen Worten begr├╝├čen m├╝├čte: "Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn." Der entscheidende Punkt hier ist der: So, wie einst die j├╝dischen F├╝hrer das Volk dahin gef├╝hrt haben, Jesus zu verwerfen, genauso m├╝ssen die F├╝hrer eines Tages das Volk zur Annahme Jesu f├╝hren. Es wird keine Wiederkunft Jesu geben, bis die Juden ihn bitten werden, wiederzukommen. Einige kennen sicherlich den Unterschied zwischen der ENTR├ťCKUNG und dem 2. KOMMEN JESU (Wiederkunft). Es gibt keine Vorbedingungen f├╝r die Entr├╝ckung, die jederzeit stattfinden kann. Doch die WIEDERKUNFT Jesu, wenn er kommen wird, um sein tausendj├Ąhriges Reich aufzurichten, kann erst dann stattfinden, wenn das j├╝dische Volk ihn als ihren Messias erwarten wird. Und so ist die nationale Erl├Âsung Israels eine Voraussetzung f├╝r das 2. Kommen Jesu.

 

Erg├Ąnzung zu der Niederschrift von Pfr. J├╝rgen Neidhart

WAS WAR DIE LÄSTERUNG DES HEILIGEN GEISTES?

In Mt. 9,32 lesen wir bereits vor dem Wendepunkt in Mt. 12, wie man zu Jesus einen stummen Menschen bringt. "Als aber der b├Âse Geist war ausgetrieben, redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich und sprach: So etwas ist noch nie in Israel gesehen worden" (Vers 33). Noch nie! Wir sehen hier den Einmaligkeitscharakter, den Jesus auch noch besonders in Joh. 15,24 unterstreicht. Der Messias tat Werke, die kein anderer jemals getan hat.

├ähnlich wie in Mt. 12 weisen die Pharis├Ąer die Aussagekraft dieses Wunders mit der Anschuldigung zur├╝ck, die Geister w├╝rden durch ihren Obersten ausgetrieben (Vers 34).
In vielen pfingstlichen und charismatischen Kreisen wird die Vorstellung vertreten, ein Wunder Gottes dem Teufel zu unterstellen, sei die L├Ąsterung des Heiligen Geistes. Wenn dies zutr├Ąfe, m├╝├čte nun unser Herr bereits hier (Mt. 9,34) von der unvergebbaren S├╝nde sprechen. Wir lesen nichts dergleichen. Er wirkt weiter unter dem Volk, bis es nach dem siebten Widerspruch der Pharis├Ąer schlie├člich in Mt. 12 zum Bruch kommt.

Gem├Ą├č Johannes 16,9 ist die S├╝nde in Gottes Augen die Weigerung, an Jesus zu glauben. Das ist die entscheidende Weichenstellung: Nimmt Israel den Messias an oder nicht, werden sie an Ihn glauben oder nicht? Gott hat sich in Jesus und dem Heiligen Geist so weit herabgelassen, da├č er genau die Wunder gewirkt hat, die nach ihrer eigenen eher willk├╝rlichen Definition niemand anderer tun konnte als allein der Messias. So weit ist ihnen Gott entgegengekommen, ├Ąhnlich wie dem ungl├Ąubigen Thomas.

Doch wer sich weigert, ├Ąhnlich wie die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu, an Christus zu glauben, f├╝r den gibt es keine Hoffnung. Von daher kann ein Gl├Ąubiger ├╝berhaupt nicht den Heiligen Geist l├Ąstern, ist er doch l├Ąngst mit Gott vers├Âhnt. Von dieser L├Ąsterung hat au├čerdem das Recht zu reden nur der Herr selber, da Er der Richter ist. Der Apostel Paulus, ├╝ber den die fleischlichen Korinther zu Gericht sa├čen (1. Kor. 9,3), deutete nie an, nun haben seine Gegner die unvergebbare S├╝nde begangen. Sonst w├╝rde n├Ąmlich ein Mensch einen anderen mit dieser bestimmten Drohung buchst├Ąblich gnadenlos verdammen, und dies steht niemandem als allein dem lebendigen Gott zu.

Solch eine Begebenheit, da├č eine Generation die Gnadenstunde Gottes vers├Ąumte, ist dem Volk Israel nicht das erste Mal widerfahren. Nach der Rebellion der Kundschafter, die das Gelobte Land ausgesp├Ąht haben, erkl├Ąrt der lebendige Gott: "Alle die M├Ąnner, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich getan habe in ├ägypten und in der W├╝ste, und mich nun zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, von denen soll keiner das Land sehen, das ich ihren V├Ątern zu geben geschworen habe; auch keiner soll es sehen, der mich gel├Ąstert hat" (4. Mose 14,22-23).

F├╝r die damalige Generation war eine heilsgeschichtliche Stunde unwiederbringlich vorbei. Man konnte danach tun und lassen, was man wollte, nach dieser "L├Ąsterung" stand das Urteil Gottes, ├Ąhnlich wie in Mt. 12,31-32, unverr├╝ckbar fest. Ausgenommen sind nur Josua und Kaleb. Selbst Moses durfte dieses Land nicht mehr betreten.

Auch die Generation, die das Gericht Gottes durch das babylonische Exil erfuhr, befand sich in einer ├Ąhnlichen Weichenstellung. Es war so viel unschuldiges Blut vergossen worden, da├č Gott nicht mehr vergeben wollte und die Zerst├Ârung des Tempels, damals durch die Babylonier, Jahrhunderte sp├Ąter durch die R├Âmer, zulie├č. "Doch kehrte sich der Herr nicht ab von dem Grimm seines gro├čen Zorns, mit dem er ├╝ber Juda erz├╝rnt war um all der ├ärgernisse willen, durch die ihn Manasse erz├╝rnt hatte" (2. K├Ân. 23,26). " .auch um des unschuldigen Blutes willen, das er vergo├č, so da├č er Jerusalem mit unschuldigem Blut erf├╝llte. Das wollte der Herr nicht vergeben" (2. K├Ân. 24,4).

Zur├╝ck zu Matth├Ąus 12. Nach diesem Urteilsspruch Jesu kommen die Pharis├Ąer und Schriftgelehrten und bitten um ein Zeichen (Vers 38). Doch der Herr weist dies zur├╝ck. Er wendet sich von Israel auf dieser Basis der Zeichenforderung ab und spricht nun in den nachfolgenden Versen von dem Gericht, das ├╝ber diese Generation (Verse 41-42) kommen wird.

Ab Mt. 13 haben wir den Dienst des verworfenen K├Ânigs. Er, der "f├╝r die verlorenen Schafe des Hauses Israel gekommen war", h├Ątte hier eigentlich die Welt r├Ąumen m├╝ssen. Doch die Tatsache, da├č der Herr weiterhin wirkt, zeigt, da├č Gott nicht nur einen Plan f├╝r Israel hat. In den Versen 3-9 folgt nun das erste Gleichnis Jesu, und zwar das Gleichnis vom S├Ąmann und dem Wort (Vers 19). Und hier findet sich eine gewisse Vorschattung auf die neue Heilszeit. Nun steht das Wort im Mittelpunkt und der Herr betont: "Wer Ohren hat, der h├Âre:" (Vers 9).

An der Frage der J├╝nger, "warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?" erkennt man, da├č dies tats├Ąchlich das erste Gleichnis war, war ihnen doch diese Form des Wirkens Jesu noch fremd. Die Antwort Jesu: "Euch ist es gegeben, da├č ihr die Geheimnisse des Himmelreichs verstehet, diesen aber ist's nicht gegeben" (Vers 11). Geistliche Wahrheiten werden nun prim├Ąr ├╝ber den Verstand durch das Wort mit dem Herzen begriffen. Der Neue Bund steht auch unter Geheimnissen und ist nicht mehr so offensichtlich wie das alttestamentliche Bundesvolk Israel.

"Denn wer da hat, dem wird gegeben, da├č er die F├╝lle habe" (Vers 12a). Auf wen bezieht sich das? Die J├╝nger, die Jesus nachfolgten. Mit dem Heiligen Geist bekamen sie dann auch zu Pfingsten die F├╝lle. "Wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat" (Vers 12b). Wer ist damit gemeint? Israel. Sie hatten den Tempel, den Opferdienst, das Priestertum, das verhei├čene Land usw. Es wurde ihnen alles weggenommen. Kein Stein blieb auf dem anderen. Es ging alles unter und die Juden wurden zerstreut unter alle V├Âlker. "Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht. Und mit h├Ârenden Ohren h├Âren sie nicht; und sie verstehen es auch nicht'' (Vers 13). Der Beweis sind die vorherigen Kapitel. Diese Generation hat gesehen, wie der Blindgeborene geheilt wurde. Sie haben gesehen, wie der Auss├Ątzige gesund wurde. Sie haben es wahrgenommen, wie der Stumme auf einmal reden konnte, und dennoch begreifen sie es nicht und verwerfen ihren Messias.

"Sehenden Auges und h├Ârenden Ohres" sagt dieser Vers. Israel war sowohl im Bereich des Auges wie des Ohres angesprochen. Sie hatten sowohl das Wort wie auch die Zeichen. Die Juden fragen ja bekanntlich nach Zeichen. Aber in Vorschattung f├╝r die Gemeinde lesen wir in dem bereits erw├Ąhnten ersten Gleichnis nur noch: "Wer Ohren hat, der h├Âre!" Man beachte auch Offenbarung Kap. 2-3, die sieben Sendschreiben an die Gemeinden in Kleinasien, wo der Herr siebenmal die gleiche Formulierung gebraucht.

Nach diesem Urteilsspruch ├╝ber diese Generation, zeigt der Herr in den Versen 43-45 in Mt. 12, wie das Gericht kommt. Der b├Âse Geist hat sein Haus, n├Ąmlich Israel, verlassen. Nachdem er umkehrt, "findet er's leer, gekehrt und geschm├╝ckt" (Vers 44). Wieso gekehrt und geschm├╝ckt? Johannes der T├Ąufer und auch unser Herr haben eine Bu├čbewegung bewirkt und der b├Âse Geist wurde ausgefegt, das Haus geschm├╝ckt. Wieso leer? Der Messias wird abgelehnt. Dann wird es mit diesem Geschlecht ├Ąrger als vorher, denn es ist ein g├Âttliches Prinzip, da├č nach einer gewissen Verh├Ąrtung Gott den Geistern nicht mehr wehrt bzw. sogar die b├Âsen Geister zum Gericht aussendet (1. K├Ân. 22,20-21).

├ähnliches spielt sich nun vor unseren Augen mit dieser gegenw├Ąrtigen westlichen Generation ab, die immer offensichtlicher das Wort Gottes verwirft. Gleichzeitig sehen wir eine zunehmende Okkultflut.

In den Versen 46-50 von Mt. 12 ist die Geschichte von Jesu wahren Verwandten. Seine Mutter und Br├╝der wollen mit ihm reden, doch Er wendet sich ab. "Und er reckte die Hand aus ├╝ber seine J├╝nger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und meine Br├╝der! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter" (Verse 49-50).

Warum steht dies ausgerechnet hier? Es zeigt dies in typologisch prophetischer Darlegung die Verwerfung Israels, dieses Geschlechts bzw. dieser Generation. Denn man geh├Ârte ja zum Volk Gottes nach dem Alten Bund aufgrund der sichtbaren Zugeh├Ârigkeit, aufgrund der sichtbaren Beschneidung. Man mu├čte Jude, also mit Jesus fleischlich verwandt sein, um Glied des Bundesvolkes, um erw├Ąhlt zu sein. Gerade dieser Alte Bund wird aber durch die Erkl├Ąrung, diese Generation habe den Heiligen Geist gel├Ąstert, vorwegnehmend aufgek├╝ndigt.

Danach aber m├Âchten Jesu engste Verwandte ihn sprechen, also Menschen, die vom Alten Bund her das Volk Gottes in h├Âchster Form darstellten, n├Ąmlich die Br├╝der, die Schwestern und die Mutter. Doch er wendet sich ab, denn das z├Ąhlt in der neu anbrechenden Heilszeit nicht mehr. Im Neuen Bund, der hier allegorisch vorgeschattet wird, gilt nicht mehr die verwandtschaftliche Zugeh├Ârigkeit, sondern wir sind nun von Gott geboren, wenn wir den Willen des Vaters im Himmel tun. Der oder die Betreffende ist nun geistlich Jesu Bruder, Schwester oder Mutter. Man kann noch so nahe mit Jesus verwandt sein, man mu├č dennoch von neuem geboren werden. Die alte fleischliche Beziehung bzw. Beschneidung z├Ąhlt nicht mehr.

Es findet sich somit in gewisser Hinsicht von Mt. 12 zu Mt. 13 ein ├ťbergang von Israel zu den Nationen, vom Zeichen zum Wort, von sichtbaren zu unsichtbaren von fleischlichen zu geistlichen Bez├╝gen. Der Vers, der das auch in den Briefen am deutlichsten bezeugt, ist 2. Kor. 5,16. "Darum kennen wir von nun an niemand mehr dem Fleische nach; und ob wir auch Christus fr├╝her dem Fleische nach gekannt haben (Alte Bund, Anm.), so erkennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. Darum, ist jemand in Christus (Neue Bund, Anm.), so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden" (Vers 17).

Jesu Br├╝der, Schwestern und seine Mutter kannten ihn dem Fleische nach. "Jetzt so nicht mehr", erkl├Ąrt Paulus. Hier ist ebenfalls ein ├ťbergang von sichtbaren zu unsichtbaren Realit├Ąten zu erkennen, vom Schauen zum Glauben (2. Kor. 5,7). Deswegen gibt es auch im engeren Sinne keine Apostel mehr, weil der Apostel kannte definitionsgem├Ą├č Jesus dem Fleische bzw. dem Auge nach (1. Kor 9,1; 1. Joh. 1,1-3 u.a.).

Im Neuen Bund mu├č man jetzt in Jesus sein und das ist man nicht durch die fleischliche, sondern durch die neue Geburt, wie der bereits oben zitierte Vers, 2. Kor. 5,17, so eindr├╝cklich zeigt.

Mit folgender Darlegung m├Âchte ich abschlie├čen. In demselben Kapitel 12 von Matth├Ąus, das streckenweise nun ausf├╝hrlicher behandelt worden ist, in dem Israel die Herrlichkeit seines Messias verwirft, wird uns der Messias durch das Wort in anderer Weise in seiner unausforschlichen Gr├Â├če nochmals dargestellt.

Messias hei├čt ja griechisch Christos, der Gesalbte. Gesalbt wurden in alttestamentlicher Zeit K├Ânige, Priester und Propheten. In Mt. 12,6 erkl├Ąrt Jesus: "Ich sage euch: Hier ist Gr├Â├čeres als der Tempel." Der Tempel stand bekanntlich in Verbindung mit dem Priesterdienst. Hier ist also mehr als der Tempel, hier ist mit anderen Worten, mehr als die Priester.

In Mt. 12,41 sagt der Herr: "Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Bu├če nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona". Jona war ein Prophet. Und im n├Ąchsten Vers lesen wir: "Die K├Ânigin vom S├╝den wird auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen, denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu h├Âren. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.┬ô Salomo war bekanntlich ein K├Ânig, und zwar der glanzvollste aller Zeiten. Hier ist nun mehr als die Priester, mehr als die Propheten, mehr als die K├Ânige. Hier ist der wahre Gesalbte, hier ist der wahre Messias. In demselben Abschnitt, wo Israel (auf Zeit) verworfen wird, wird uns der Messias noch einmal durch das Wort in seiner Gr├Â├če und Sch├Ânheit gezeigt. Er ist gr├Â├čer, Er ist h├Âher, Er ist reicher, Er ist mehr als alle und alles. M├Âge auch uns der Herr der Herrlichkeit durch das Wort Gottes in seiner Einmaligkeit und unauslotbaren F├╝lle neu kostbar werden. M├Âgen wir neu erkennen, wie reich wir durch Gottes Wort beschenkt sind.

Alexander Seibel


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