„Nicht heiraten“, diese beiden Worte meinte eine hingegebene junge Frau zu vernehmen. Eigentlich hatte man sich schon verlobt und die Hochzeit sollte in naher Zukunft gefeiert werden. Und nun meldete sich deutlich diese innere Stimme. Ohne dass es ihr Bräutigam Til wusste, hatte sie sich einem kleinen Kreis von Charismatikern angeschlossen und dementsprechende Lehren und Erfahrungen wurden dort verbreitet. Dabei hatte sich vorher alles so ergeben, dass sowohl Til wie I. davon überzeugt waren, dass sie der Herr zusammengeführt habe. Es gab so viele Details, dass dies als wunderbare Führungen des Herrn nicht angezweifelt wurden. Und nun das.
Til schrieb einen langen Brief an seine Braut, um sie davon zu überzeugen, warum diese Stimme nicht von Gott sein könne. Eine Kopie erhielt auch ich via WhatsApp. Til wohnt in Colonia Indepencia im südlich gelegenen Ost-Paraguay. Jedenfalls rief ich ihn deswegen an und er sprach auch den Gedanken aus, dass es gut wäre, wenn ich nach Paraguay kommen könnte. Auch ein anderer Bruder, der deswegen angefragt wurde, würde es sehr begrüßen, sollte ich diesem südamerikanischen Land einen Besuch abstatten. Nun reicht dies gewöhnlich nicht aus, um vorschnell die Koffer zu packen. Doch ich hatte schon seit einiger Zeit diesen Gedanken in meinem Herzen bewegt und nun schien sich eine Tür zu öffnen. Auch fragte ich mich, wie lange man noch einigermaßen günstig reisen bzw. fliegen kann angesichts der Spannungen im Nahen Osten und steigender Energiepreise. Und wie lange erlaubt es meine Konstitution bzw. Gesundheit, größere Reisen mehr oder weniger spontan anzutreten?
Von den Terminen her hätte mir der November eher zugesagt. Doch dann wäre die Hitze zu groß und dies sei für Veranstaltungen besonders ungünstig. Es habe bereits in dem südlichen Teil Paraguays fast 40° gehabt und im November und besonders im Chaco, dem nordwestlich gelegenen, steppenartigen Teil des Landes, soll es noch heißer werden. So beschloss ich, doch noch relativ kurzfristig im Oktober zu kommen und mein Freund Til schaffte es in erstaunlich kurzer Zeit, viele Kontakte zu knüpfen und Einladungen sowie Treffen zu organisieren. Auch noch einen relativ günstigen Flug zu buchen wurde mir durch die kompetente Hilfe eines lieben Bruders im Herrn möglich. Noch andere Aspekte überzeugten mich, dass hier offenbar die gnädige Hand Gottes Türen öffnete. Zu meiner Freude erklärte sich diesmal meine Frau Catherine bereit mitzukommen. Denn ich hatte schon einmal im Jahre 2009 Paraguay besucht, nur damals ohne sie.
Unser Freund Tilbert
Wegen der Aktualität der Ereignisse war neben Evangelisation natürlich auch Apologetik angesagt. Besonders solche Phänomene wie Hören von Stimmen, prophetisches Gebet und dergleichen sollten von der Bibel her beleuchtet werden, nicht von einzelnen Stellen, sondern von der Gesamtaussage der Heiligen Schrift. Hier ergaben sich viele Fragen, viele Gespräche und gewöhnlich dankbare zur Kenntnisnahme des Gehörten.
So klagte eine Schwester, wie ihr eine gute Freundin unbedingt das hörende Gebet „schmackhaft“ machen wollte. Man wusste instinktiv, dass hier etwas falsch ist, auch wenn es sich fromm tarnt. Insofern war man dankbar bis erleichtert, Unterlagen und Argumente zu erhalten, die solche Lehren widerlegten. Selber wurde ich an eine Feststellung von Ernst Buddeberg erinnert, die er im Zusammenhang der Auseinandersetzung mit der Pfingstbewegung 1910 formulierte: Gott will durch sein offenbartes Wort mit uns verkehren. - Die Schwärmerei will darüber hinaus "inneres" Wort Gottes haben und richtet ein neues Prophetentum mit autoritativer Gewalt auf.1
Mehrmals wiederholte ich in diesem Zusammenhang das Zitat eines messianischen Juden: Willst du die Stimme Gottes hören? Schlage die Bibel auf und lies sie dir laut vor. Deutlicher kannst du das Reden Gottes nicht vernehmen! Besagte Schwester I. jedoch trennte sich nicht von dieser inneren Stimme und löste die Verlobung auf.
Auch das Thema Heilung sorgte in einigen Kreisen bzw. Orten für Verwirrung. Von daher war es eine besondere Hilfe, dass meine Schrift zu dem Thema Heilungsauftrag in kürzester Zeit sowohl in Deutsch als auch in Spanisch in größerer Zahl gedruckt werden konnte.
Es hat mich tatsächlich einigermaßen überrascht, wie schnell Schriften in Druckereien bestellt und oft gleich am selben Tag in Empfang genommen werden konnten. Mein Buch Die sanfte Verführung der Gemeinde wurde in dieser Form innerhalb weniger Stunden gedruckt wie auch der besagte Artikel Hat die Gemeinde einen Heilungsauftrag. Beide Schriften wurden von insgesamt drei Druckereien in Hohenau, Sommerfeld und Menno fertiggestellt. Zusammen mit anderen Artikeln wurden über 850 Schriften gedruckt und der Großteil davon verteilt.
Es stellte sich heraus, dass die Bibelkenntnis in manchen Fällen eher zu wünschen übrig ließ. Von daher war ich dankbar zu sehen, wie bei etlichen Zuhörern der Wunsch erwuchs, Gottes Wort doch besser kennenzulernen bzw. aufmerksamer zu studieren. Einigen begann auch zu dämmern, warum der Herr Jesus so ausdrücklich zur Wachsamkeit ermahnt, und ein sich passives Öffnen für Eindrücke, Bilder und dergleichen, nicht empfehlenswert ist, sondern vielmehr eher gefährlich.
Dankbar nahm ich auch zur Kenntnis, dass Bibelkritik kaum ein Thema ist. Der Südamerikaner hat gewöhnlich immer noch Ehrfurcht vor Gottes Wort.
Til, der mich zusammen mit noch einem Bruder aus dem Chaco eingeladen hatte, verließ Deutschland vor ca. 5 Jahren, nicht zuletzt wegen der Covid Epidemie und den damit verbundenen Maßnahmen. Er schwärmte von der anderen Atmosphäre in diesem Land. Wie er konstatierte, kann man hier auch schwierige Themen ganz anders und viel freier diskutieren. Klima, so sagt er, sei kein Thema, ebenso Gender oder Wokeness. Zensur oder Angst wegen Unterdrückung der Meinungsfreiheit, ebenfalls kein Thema. Islam ist bis jetzt kaum von Bedeutung. Laut offizieller Schätzung beträgt die Anzahl der Muslime weniger als 0,1% der Bevölkerung. Von daher sind Straßenschlachten und Zustände wie sie gegenwärtig Europa dank seiner Migrationspolitik heimsuchen, ebenfalls keiner Diskussion wert.
Mehrmals wurde ich gefragt, wieso man in Deutschland derartig bereit ist, sich dem Islam zu unterwerfen? Wieso darf man gotteslästerlich über Jesus in einer Weise spotten, die bezüglich Mohammed einen Aufschrei der Empörung hervorrufen würde? Zunächst sollte dies nicht allzu sehr überraschen, denn Jesus sagt selbst: Mich aber hasst die Welt, denn ich bezeuge ihr, dass ihre Werke böse sind (Joh. 7,7). In dieser dunkler werdenden Welt tritt nun ihre tatsächliche Gesinnung gegen den einzig wahren Erlöser immer offener zutage.
Doch wieso solch eine Unterwerfung? Haben nicht gerade die Atheisten, Humanisten und Linken am lautesten gerufen, dass Religion Opium fürs Volk sei und das Christentum angeblich die Frauen und besonders die Homosexuellen unterdrückt? Darauf gibt es sicherlich nicht nur eine Antwort. Doch in diesem Zusammenhang weise ich bevorzugt auf 2. Kor. 11 hin. Nun, dort bezieht sich Paulus auf die gemeindliche Situation, doch kann man womöglich allgemeine Prinzipien davon ableiten, was geschieht, wenn man einen fremden Geist gerne willkommen heißt (2. Kor. 11,4).
Das gleiche Wort „ertragen“ findet sich auch in Vers 19 desselben Kapitels: Ihr ertraget gern die Narren, ihr, die ihr klug seid! Heute könnte man sagen: Ihr, die ihr tolerant seid. Doch in Vers 20 wird Paulus besonders deutlich und aktuell. Hier stehen Worte wie: Ihr ertragt es, wenn euch jemand versklavt, schindet, gefangen nimmt und ins Angesicht schlägt. Rational ist dies nicht zu erklären, vom geistlich biblischen Standpunkt allerdings - leider - sogar zu erwarten.
Leander Funk und seine Frau. Er hatte mich 2009 nach Paraguay eingeladen
Jedoch auch über religiöse Ansichten kann man in diesem Land ganz anders debattieren. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, was mich überrascht bis beinahe erschreckt hat. Mehrere australische Familien hatten Tasmanien verlassen und in Campo 9, in der Nähe zur Mennonitenkolonie Sommerfeld eine Bäckerei und ein Café eröffnet, wo deutlich angeschriebene Bibelverse die innere Einstellung aufzeigen. Warum? Wie mir eine Mitarbeiterin erzählte, durften sie in Tasmanien nicht öffentlich das Evangelium weitersagen, weil die sozialistische Regierung unter Anthony Albanese immer mehr Verbote besonders gegen Christen erlassen hat.
Regenbogenfahnen gibt es in Paraguay an keinen öffentlichen Gebäuden und Schwulenpropaganda wird von der großen Mehrheit abgelehnt. Zwar berichteten mir einige besorgte Stimmen, wie die EU mit Geld lockt und Millionen bereit ist anzubieten, um Gender, LGBTQ+ usw. salonfähig zu machen, doch ist derzeit die Ablehnung noch zu groß. So haben kürzlich viele christliche Initiativen zu einer Demonstration in Asuncion für die klassische Familie aufgerufen. Wie ein engagierter Christ mir sagte, die Regierung solle sehen, dass die breite Mehrheit der Paraguayer dies ablehnt, denn die Politiker wollen ja schließlich wieder gewählt werden. Wenn man ahnt, welch ein korruptes und verlogenes Imperium die EU ist, dann ist man auch nicht sonderlich überrascht, dass die Verbreitung toxischer Ideologien dieser angeblich alternativlosen Institution ein besonderes Anliegen ist. Ganz zu schweigen von den ebenso unsinnigen wie zunehmenden Vorschriften und Regulierungen, die Initiative und Eigenverantwortung immer mehr ersticken. Viele aus Deutschland gaben Letzteres als Grund an, warum sie ein einstmals stabiles und sicheres Land verlassen haben.
Mich erinnert die geistliche Wetterlage in Europa im allgemeinen und der BRD im besonderen an ein wenig schmeichelhaftes Zitat von Henryk Broder im Zusammenhang mit der Klimaikone Greta Thunberg: Ich liebe Greta. Nicht wegen ihrer Zöpfe, nicht wegen ihres Mondgesichts, nicht weil sie an Asperger leidet und auch nicht, weil sie das Schulschwänzen zu einem moralischen Imperativ erhoben hat. Ich liebe Greta, weil sie es – wenn auch ungewollt – geschafft hat, die westliche Gesellschaft als das zu entlarven, was sie ist: abergläubisch, dekadent, dumm, hysterisch, infantil und süchtig nach Erlösung.2
Deutschland ist – leider – ein Anschauungsbeispiel dafür geworden, wie ein Volk aussieht, das Gott dahingegeben hat, wie es Röm. 1,20ff. so eindrücklich schildert. Auch in evangelikalen Kreisen wird immer mehr dazu aufgefordert, nichts Kritisches zu dieser besonderen sexuellen Orientierung zu sagen. Jesus habe sich ja angeblich dazu auch nicht geäußert. Und das, obwohl Jesus deutlich erklärt hat, wie wegen der Sünde Sodoms eine Generation unter das Gericht Gottes kommt (Luk. 17,28-30). Allerdings muss man inzwischen vorsichtig sein, was man sagt und wie man dies formuliert. Wie jemand konstatierte: Im 19. Jahrhundert gab es ein forbidden word, nämlich das Wort Sex. Im 21. Jahrhundert gibt es ebenfalls ein verbotenes Wort, nämlich das Wort Sünde.
Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit, lesen wir in 2. Kor. 3,17. Inzwischen kann man an der zunehmenden Unterdrückung der Meinungsfreiheit erkennen, wie der Geist Gottes sich immer mehr zurückzieht. Und ein deutlicher Indikator für die wachsende globale Verfinsterung ist der bald exponentiell zunehmende Antisemitismus. Da gibt es auch in christlichen Kreisen manche Verunsicherung. Deswegen hatte ich auch mehrmals das Thema „Brennpunkt Israel“ behandelt.
Evangelisation in der Iglesia Emanuel mit Übersetzung ins Spanische
Neben der evangelistischen Verkündigung gab es auch immer wieder gewisse Entwicklungen, die den Geschwistern Sorgen bereiteten. So erzählte man mir, wie einheimische Gemeinden und Missionswerke unter den Latinos eifrig missionieren, die Zuhörer nach vorne rufen und ihnen die Hände auflegen. Dabei stellt sich auch das inzwischen fast übliche Umfallen ein, gewöhnlich auf den Rücken. Hier nun war es angesagt, von der Bibel her aufzuzeigen, wie solche Phänomene einzuordnen sind.
Gewöhnlich wurde dies problemlos akzeptiert bis dankbar zur Kenntnis genommen. Solche Entwicklungen passen leider vielmehr in den großen Rahmen der endzeitlichen – zunehmenden – Verführung. Nicht umsonst sagt uns Gottes Wort eine Zunahme falscher Propheten und Irrlehren (z. B. Matth. 24,11; 1. Tim. 4,1) voraus.
Besagte Manifestationen, angeblich des Heiligen Geistes, sind auch durch einen eher populären Evangelisten namens Bernardo Schmitt ziemlich aktuell geworden. Er wirkt bei Christ Ministries, reist durch ganz Paraguay und hat offenbar eher großen Einfluss. Mein Freund Til besuchte eine seiner Veranstaltungen in Indepencia. Die Anwesenden wurden aufgefordert, nun in der Gegenwart Gottes die Fülle der Segnungen zu empfangen. Es wurde zu einem Tisch mit vier Stühlen gebeten. Man sollte sich auf einen Stuhl setzen und sich die Dreieinigkeit bildlich vorstellen und durch diese Visualisierung in die Gegenwart der Trinität aufgenommen werden, was natürlich ein weiteres „Mehr“ in besonderer Weise bedeuten sollte.
Ähnlich bizarr war Schmitts Schilderung, wie eine Person, mit der er längere Zeit zwecks Befreiung betete, umfiel. Hier erklärte er, wie er verunsichert war, weil dieses Umfallen auch kritisch gesehen wird. Als diese Frau aus ihrem tranceähnlichen Zustand wieder zu sich kam, war sie völlig verändert. Sie strahlte und berichtete voller Freude wie eine große Last von ihr abgefallen und sie nun frei sei. Als sie umfiel, sah sie nämlich wie Jesus plötzlich ins Zimmer kam. Er setzte sie auf seinen Schoß und drückte sie. Alle Liebe, die sie von ihren Eltern nicht empfangen hatte, gab er ihr zurück. Dann griff er mit seiner Hand in ihre Brust und nahm das alte Herz heraus und gab ihr ein neues. Alle waren glücklich über dieses so eindrückliche Eingreifen Gottes. Wenn diese Geschichte nicht erfunden ist, was ich nicht annehme, dann sind solche Erlebnisse ausgeprägter frommer Spiritismus, Phänomene, die Esoteriker mit Verzückung zur Kenntnis nehmen. Unterstützt wird Bernardo bei seinen Diensten auch von der Predigerin Nancy McCready aus den USA-Texas.
Selbst wenn dies so deutlich gesagt wird, möchte ich auch betonen, dass es nicht unsere Aufgabe ist, solche Leute zu richten. Bernardo Schmitt macht einen freundlichen und eher soliden Eindruck. Ich bin davon überzeugt, dass er die besten Absichten hat, Menschen zu helfen und zu heilen. Die wirklichen Motive kennt nur Gott. Doch wenn wir in unseren Tagen die Geister nicht prüfen, eigentlich alles prüfen, wie uns bekanntlich befohlen ist, dann dürfen wir uns über das derzeitige Ausbreiten kräftiger Irrtümer nicht wundern. Denn in einem Land wie Paraguay mit viel Spiritismus und abergläubischen, katholischen sowie heidnischen Praktiken, gibt es jede Menge bizarrer Begebenheiten und sonderbarer Phänomene. Da ist die biblisch befohlene Nüchternheit angesagt.
Bibelstudium mit interessierten Brüdern in Hohenau
Mehrmals erwähnte ich, dass es nicht um die Frage der Gotteskindschaft gehe. Das wäre in der Tat ein schlimmes Richten. Schließlich kennt nur der Herr die Seinen. Vielmehr geht es um die Möglichkeit der Vermischung, vor der Paulus in 1. Kor. 10,20b warnt und die er in 2. Kor. 11,4 konstatieren muss. Eine Vermischung, die viele arglose Geschwister sich nicht vorstellen können. Und wenn Christen sich von solchen Phänomenen und Lehren lossagen bzw. trennen, müssen sie sich gewöhnlich nicht nochmals bekehren, weil sie eben Jesus angehören.
Til erwähnte auch, wie Pfingstler und Charismatiker in Paraguay als ihr gemeindliches Kennzeichen oft ein Flammensymbol haben, in Anspielung auf die Feuertaufe, die Matth. 3,11 erwähnt. Ein Beispiel ist die größte Gemeinde in Asuncion CFA.3 So war es hilfreich, manche der mennonitischen Geschwister darauf hinzuweisen, dass der Vers vor der Feuertaufe, also Matth. 3,10 und auch der nachfolgende Vers 12 das dort erwähnte Feuer eindeutig als Gericht beschreibt. Feuer ist gewöhnlich die Gegenwart Gottes im Gericht und das Feuer ist auch das klassische Symbol besonders des falschen Propheten, besonders am Ende der Tage (Offb. 13,13).
Von den schlimmen Entgleisungen in Bill Johnsons Bethel Church hatten nur die wenigsten gehört, den Einfluss dieser modernen „Worshipmusik“ jedoch sehen viele mit Sorge.
Aktuell werden solche apologetischen Fragen auch durch bestimmte Ereignisse. So hat ein „Prophet“ namens Vitali F. die Stadt Hohenau – sie liegt ganz im Süden Paraguays – besonders „gesegnet“. Zu Weihnachten im Jahre 2021 marschierte man zum Stadttor und besprengte es mit Wein. Durch Gebet sollte sich diese rituelle Handlung als das Blut Jesu gelten und die bösen Geister vertreiben. Ca. 30 Personen schwangen Fahnen und auch das Schofarhorn wurde geblasen. Besagter „Prophet“ hatte noch dazu für den Sept. 2020 die Wiederkunft Jesu vorausgesagt. Dennoch hat er noch immer relativ großen Zulauf. Für seine Berufung als besonderes Sprachrohr Gottes gründet er sich, wie heute immer mehr üblich, auf den angeblich 5-fältigen Dienst von Eph. 4,11. Leider hat man aus der Kirchengeschichte wenig gelernt, wenn man nur z.B. an die Neuapostolische Bewegung eines Edward Irvings im 19. Jhdt. denkt. Dass von Eph. 2,20 her das Fundament der Apostel und Propheten als Offenbarungsträger längst gelegt ist und wir deswegen keine dieser beiden Ämter oder Dienste mehr haben, will man in diesen Kreisen allerdings weniger gerne hören.
Bezüglich der Thematik der Frauenordination sind sich die meisten Christen in Paraguay ziemlich einig, dass dies nicht in Frage kommt. Teilweise gibt es sogar Traditionen, welche zu eng sind. Doch auch hier, nicht zuletzt durch charismatische Einflüsse, beginnen einige früher feste Positionen aufzuweichen. Wo man an Gleichstellung dachte, wies ich auf Eph. 5,24 hin. Jener Vers zeigt nun doch eindeutig auf, dass, wenn Mann und Frau gleichgestellt werden, dies dann zur Folge hat, dass auch Christus und die Gemeinde sich auf gleicher Augenhöhe befinden. Dass dies nun eine Grenzüberschreitung bedeutet, musste nicht sonderlich betont werden.
Berichtet wurde mir auch, wie die kürzlich verstorbene Maria Prean vor ca. 2 Jahren Paraguay besuchte. Die Charismatiker empfingen sie wie eine Heilige. Besonders frustriert war ich zu erfahren, dass sie der „Prophet“ Daniel Exler begleitete. Dieser hat die besondere „Gabe“, in den Himmel entrückt zu werden, man könnte es auch als himmlischen Tourismus bezeichnen. Er schildert wie selbstverständlich, wie er mit Jesus im Paradies spazierte, Jesus ihm auch einen Blick in die Hölle gestattete usw. Man wagt es kaum so weiterzugeben, doch Exler erzählt dies unbeschwert in seinen Botschaften.4
Bei einem Männertreffen nun, sollten all die nach vorne kommen, die von Exler durch Handauflegung gesegnet werden wollten. Wie ein Bruder mehr als besorgt berichtete, standen darauf die Leute fast Schlange, die eigentlich aus einem konservativen Hintergrund kamen und solche fromm getarnten magische Rituale durchschauen sollten. Selber kam mir eine Warnung von Elias Schrenk in den Sinn, dem Bahnbrecher für Zeltevangelisation vor mehr als hundert Jahren.
Mehr als je brauchen wir heute eine keusche Stellung in der ganzen Schriftwahrheit. Sie bewahrt uns vor Sensationellem, vor gefährlichem, gewagtem Streben nach Geistesausrüstung. Sie wirkt jene geistliche Keuschheit, die sich fürchtet vor kalifornischer, norwegischer, englischer und holländischer Handauflegung. Ich kannte verschiedene Menschen, die durch Handauflegung bleibend unter böse Geister kamen. Eine keusche Stellung in der Schrift bewahrt uns ferner vor Zeichen - und Wundersucht.5 Gott gibt seinen Geist bekanntlich denen, die ihm gehorchen und nicht denen, die über ihn verfügen wollen. Doch auch diese Warnung von dem begnadeten Elias Schrenk wird in unseren Tagen nicht gerne vernommen und manchmal sogar vehement zurückgewiesen.
Morgenandacht in der Berufsschule in Loma Plata
Für mich war es in gewisser Hinsicht ein Höhepunkt der ganzen Reise, dass ich am Montag den 24. Okt. im Berufsbildungszentrum CFP Loma Plata (Chaco) die morgendliche Andacht von ca. 15 Minuten halten durfte. Es kamen mindestens 60 Schüler, die sich in Reih und Glied aufstellten und geduldig der Andacht zuhörten. Ich setzte drei Schwerpunkte: Die Aktualität der Bibel anhand von Ps. 83,1-5. Dann die Größe Gottes erkennbar in seiner Schöpfung am Beispiel des Libellenflügels. Drittens die Barmherzigkeit Gottes in seiner grenzenlosen Vergebungsbereitschaft. Als Illustration diente die Geschichte von dem tyrannischen und brutalen Kapitän John Coutts aus dem 19. Jhdt. Als es mit ihm zu Ende ging, überfiel ihn eine zunehmende Todesangst und er suchte verzweifelt nach einem Trost aus der Bibel. Ein gläubiger Schiffsjunge, Willi Platt, ermutigte ihn, seinen Namen in die so deutliche Darlegung der stellvertretenden Vergebung, wie sie in Jes. 53,5 so eindrücklich geschildert wird, einzusetzen. „Die Strafe liegt auf ihm, dass John Coutts Frieden hätte…“ Ich forderte dann die anwesenden Schüler auf, ihren eigenen Namen in diese wunderbaren Zeilen der großen Gnade Gottes einzusetzen und dies innerlich im Gebet zu bewegen. Es gab ein dankbares Echo und es ist zu hoffen, dass sich einige bewusst für Gottes große Gnade entschieden haben. Dies war nicht die einzige Gelegenheit, wo deutlich evangelisiert werden konnte und ich die Zuhörer aufforderte, ähnlich wie besagter Kapitän, ihren Namen in dieses wunderbare Angebot der göttlichen Vergebung einzusetzen. Wie viele dies mit echtem Herzen getan haben, weiß Gott allein.
Ein Bruder meinte, dass einige Wunder sich eingestellt haben, dass ich kommen und in Loma Plata predigen konnte. Normalerweise ist es um diese Jahreszeit drückend heiß, weswegen man kaum mit Besuchern rechnen könnte. Doch es herrschten ungewöhnlich niedrige Temperaturen für diese Jahreszeit, nämlich eher angenehme von etwas über 20°. Gewöhnlich stellt sich im November in diesem Teil der Erde fast die doppelte Temperatur ein. Auch war es für ihn nicht selbstverständlich, dass an diesem Ort meine Vorträge bzw. Predigten von einer christlichen Fernsehstation live übertragen wurden. Zwar war dies nicht kostenfrei, doch die große Anzahl derer, die sich via Internet zugeschaltet hatten, überraschte ihn ebenfalls. Die drei Predigten wurden auf dem YouTube-Kanal @HaroldHiebert veröffentlicht und bereits über 7000 Mal aufgerufen.
Dass sich dies alles so fast reibungslos ergeben hat, sich auch so viele Türen und Herzen auftaten, trotz kurzfristiger Planung sich doch noch so viele Möglichkeiten, Einsätze, Gespräche und vertiefende Bibelbetrachtungen im kleineren Kreise mit interessierten Geschwistern ergaben, ist nicht mein Verdienst. Es war allein die Gnade Gottes und seine große Barmherzigkeit.
Es könnte noch manches erwähnt werden, besonders aufschlussreiche Gespräche mit mennonitischen Pastoren und Ältesten in der Kolonie Sommerfeld. Manches erinnerte an Verkrustung, doch, so hatte ich den Eindruck, die Bereitschaft neue Initiativen aufzugreifen, um Außenstehende mit dem Evangelium zu erreichen, schien zu überwiegen. Und Vertiefung in gewisse apologetischen Themen im kleineren Kreis, verbunden mit persönlichem Austausch war eine umfassend bereichernde Erfahrung.
Unbedingt soll noch die große Gastfreundschaft und unkomplizierte Hilfe der Geschwister in diesem Teil Südamerikas erwähnt werden. Auch die durch Bibelarbeiten sich vertiefende Gemeinschaft war eine große Bereicherung. Es ist dies ein Geschenk des Leibes Jesu, das Wunder der Gemeinde, die Golgatha ermöglicht hat. Man weiß sich verbunden in einer geistlichen Familie, auch wenn man sich kaum noch kennt.
So gäbe es natürlich noch einiges bis vieles, das noch mitgeteilt bzw. berichtet werden könnte. Gerade weil diese drei Wochen, abgesehen von zwei Tagen, ziemlich vollgepackt waren. Doch soll so ein Bericht, gerade bei der heutigen Datenflut, nicht zu lange werden.
Abschließend darf ich dankbar bekennen, dass der lebendige Gott gnädig Bewahrung und Gelingen mit erstaunlich offenen Herzen und Türen geschenkt hat. Dies vor allem, weil auch für diese Reise wiederum viele Geschwister treu gebetet haben. Etliche versicherten mir, genau das zu tun. Allen Fürbittern möchte ich deswegen bei dieser Gelegenheit von Herzen Dank sagen. So durften meine Frau und ich, getragen von der großen Güte unseres Herrn Jesu am 29. Okt. den Rückflug von einem sehr ausgefüllten Einsatz zwar etwas ermüdet aber dafür mit erfülltem Herzen antreten.
Soli Deo Gloria.
Alexander Seibel
1: Zitiert bei Paul Fleisch: Die Pfingstbewegung in Deutschland, Feesche Verlag Hannover 1957, S. 170. 2: Henryk M. Broder, Infantilisierung der Gesellschaft, Die Weltwoche, 28.08.2019. 3: Centro Familiar de Adoración; www.cfa.org.py 4: https://bibel.tube/w/4wVjs5Riwmnca3Q8PFY3cS 5: Elias SCHRENK: „Das Bedürfnis der Gemeinde Gottes nach einer größeren Ausrüstung mit Geisteskraft und die Bedingung für eine schriftgemäße Befriedigung desselben." Verhandlungen der Gnadauer Pfingstkonferenz 1910