Unterwegs zu den Ärmsten der Armen

(1. Bis 21. Februar 2008)

Die beiden MĂ€dchen zerrten und kĂ€mpften mit all ihren KrĂ€ften. Jedes hatte ein Ende einer Decke in den HĂ€nden und besonders das kleinere, vielleicht sechsjĂ€hrige Kind, verkrallte sich darin. Mit aller Kraft versuchte sie, dieses StĂŒck Stoff an sich zu bringen. Wie zwei Terrier, die sich in einen Knochen verbissen hatten, wurde an den jeweiligen Enden gezogen und gerissen.

Was war geschehen? Die Mitarbeiter des BartimĂ€usprojekts hatten an die Bettler Decken verteilt. FĂŒr diese Leute, die in der Winterzeit oft auf dem blanken  Boden ĂŒbernachten mĂŒssen und frieren, wahrlich ein Geschenk. Nun war der Wunsch bzw. die Begierde groß, solch ein begehrtes StĂŒck unbedingt zu besitzen. Es mussten dann die Sozialarbeiter schlichtend eingreifen.

Es war ganz offensichtlich, jeder ist sich selbst der NĂ€chste. Dabei soll es immer noch Leute geben, bis in die Reihen der Evangelikalen, die uns mit psychologisierter Wortwahl beibringen wollen, unser Problem sei mangelnde Eigenliebe. Wie man so etwas glauben kann, wenn man nur halbwegs ehrlich mit sich selber ist, bleibt mir immer noch ein RĂ€tsel.

Doch wie kam ich zu dieser Indienreise und worum handelt es sich bei dem BartimĂ€usprojekt? Ernst Maag, den ich schon seit mehr als drei Jahrzehnten kenne, war sehr ergriffen von einem Vortrag des GrĂŒnders dieser Arbeit, dem Schweizer Pfarrer Bernard Huber, der ĂŒber dieses Projekt referierte.

Bettler gibt es in Indien wie Sand am Meer. An den verschmutzen und staubigen Straßen stehen und vegetieren sie und halten ihre HĂ€nde auf. Wie kann man solchen Menschen aus diesem Elend helfen? Gibt es da ĂŒberhaupt eine Möglichkeit?
Jemand, der hier mit visionĂ€rem Glaubensmut versucht, dem Elend abzuhelfen, ist besagter Pfarrer Bernard Huber. Sein indischer Verantwortlicher und ReprĂ€sentant fĂŒr diese Arbeit ist Pastor Martin Luther. Er heißt tatsĂ€chlich so.

Mit  umfangreichen Spendengeldern haben sie ein Waisenheim errichtet und finanzieren damit auch 270 Mitarbeiter. Diese werden von der Mission mit Inseraten in den verschiedensten Gemeinden Indiens gesucht. Danach werden sie kurz geschult, denn sie mĂŒssen sich auf physische, seelische und auch geistliche Probleme vorbereiten, mit denen sie in dieser Form womöglich noch nie konfrontiert worden sind. Dann werden die Mitarbeiter in die Slums geschickt.

ZunĂ€chst gehen sie zu diesen Ärmsten der Armen und geben ihnen zu essen. Dadurch ergibt sich Offenheit und die Bettler beginnen zu fragen, „warum macht ihr das?“ Denn noch nie haben AnhĂ€nger anderer Religionen sie als vollwertige Menschen betrachtet und ihnen freiwillige Hilfe erwiesen. Warum sollte auch jemand etwas gegen das Gesetz des Karmas unternehmen, das jedem Menschen seinen bestimmten Platz anweist. Wenn es schließlich die Schuld dieser Menschen im vorigen Leben gewesen sei, dass sie jetzt in dieser Misere als Bettler sich befinden, warum dann versuchen, solchen Geschöpfen zu helfen? FĂŒr die obersten Schichten Indiens jedenfalls ist die Armut kein Thema.

Dann bringen die Mitarbeiter diesen verachteten Menschen das Evangelium. Die meisten Bettler sind Atheisten. Nun erleben sie zum ersten Mal, dass wildfremde Menschen sie bedingungslos annehmen und lieben. Dadurch öffnen sie ihre Herzen. Viele kommen auch durch eine manchmal dramatische Gebetserhörung zum Glauben. Fast immer nehmen sie die Heilsbotschaft an.

Diese Sozialarbeiter kĂŒmmern sich darum, dass diese Bettler medizinische Versorgung erhalten. Man bringt ihnen zu essen und man unterrichtet die Kinder in Schreiben und Lesen. Dann lehren die Kinder ihre Eltern. Diese haben ja genĂŒgend Zeit. Besonders wenn das Evangelium Wirkung zeigt, wollen solche Menschen von sich aus lesen und schreiben lernen, aus dem Wunsch, selber nun die Bibel lesen zu können. Bekanntlich lebt der Mensch nicht vom Brot allein.

Dann wird erwartet, dass jeder dieser Sozialhelfer in KĂŒrze eine Gemeinde grĂŒndet. Dies ist fast sensationell. Obwohl diese Mission erst wenige Jahre alt ist, gibt es schon ĂŒber 100 Gemeinden. Es ist ein Unterschied zu sehen bei den Bettlern, die schon lĂ€nger, d.h. ein halbes Jahr, betreut worden sind. Sie sind sauberer und sitzen geordnet da und die ganze Umgebung wirkt etwas gepflegter.

Auch geben die Mitarbeiter Kleinkredite. Vor allem Frauen werden Kredite in der GrĂ¶ĂŸen-ordnung von ca. 30 € bis 100 € gewĂ€hrt, um ein Kleingewerbe zu ermöglichen, z.B. GemĂŒseverkauf bis zur Kerzenherstellung oder Rickschabetrieb. Praktisch alle zahlen ihre Kredite pĂŒnktlich zurĂŒck. Frauen haben sich hier als deutlich verlĂ€sslicher als MĂ€nner erwiesen. Ich war schon erstaunt, wie mir der indische Leiter dieses Projekts, Rev. Martin Luther erklĂ€rte, dass Frauen ein viel grĂ¶ĂŸeres soziales Bewusstsein haben. Ihnen ist die Familie wichtiger als den MĂ€nnern.

LÀuft das GeschÀft, so mieten sich viele in einem Zimmer ein und schicken dann die Kinder zur Schule. So können sie ihren ebenso schmutzigen wie primitiven Behausungen entkommen.

Das Projekt findet auch von offizieller Seite zunehmend Zustimmung. Immer mehr Politiker bitten darum, dass auch in ihrer Stadt solch eine Arbeit begonnen wird. Im Norden werden jedoch solche ZusammenkĂŒnfte von Hindufundamentalisten argwöhnisch registriert und es kommt hin und wieder auch zu gewalttĂ€tigen Übergriffen.

Jedenfalls trÀgt dieses BartimÀusprojekt zum deutlichen Wachstum der Gemeinden in Indien bei. Da der biblische BartimÀus bekanntlich ein Bettler war, der Jesus nachfolgte, deswegen haben die Verantwortlichen ihrer Arbeit diesen Namen gegeben.

Ernst Maag beschloss jedenfalls, Pfarrer Huber bei der nĂ€chsten Reise zu begleiten. Dies war fĂŒr ihn nun der besagte Zeitabschnitt im Februar. Mein Terminkalender gab es nun auch noch her, dass ich bei dieser Reise mit einsteigen konnte.

Jedenfalls besuchten wir noch am selben Tag unserer Ankunft, nachdem wir nur ca. 4 Stunden geschlafen hatten, noch verschiedene Slumgebiete. Streckenweise war der Schmutz und die Verdreckung einfach deprimierend. So ein Lager war z.B. Temgar in New Delhi. Auch verteilten die Sozialhelfer Decken, was uns besonders beeindruckte. Die Bettler benötigen bei der doch jetzt relativ kalten Jahreszeit die manchmal einfachsten Hilfsmaßnahmen.

Ein Ort bedrĂŒckender Finsternis und DĂŒsterheit ist Kalkutta. Jemand schilderte Kalkutta, das seit einigen Jahren Kolkata heißt, folgendermaßen: Kalkutta ist das schlimmste Höllenloch der Welt. Hunderte schmutziger, ekelhafter Straßen erstrecken sich wie Spinnenarme in alle Richtungen... Die Luft ist eine Mischung durchdringender und quĂ€lender GerĂŒche. Offene Abflußrinnsteine ziehen sich an Straßen und hinteren Gassen entlang, die den einem als Toilette, dem anderen zum WĂ€schewaschen dienen. .. Tausende von verwilderten Hunden undefinierbarer Rasse streunen herrenlos durch die Straßen und streiten sich mit eltern- und heimatlosen Kindern um Nahrungsreste. Ratten gibt es in dieser Stadt ungefĂ€hr achtmal so viele wie Menschen, und sie werden immer dreister“ (Ergriffen von Barmherzigkeit, Douglas Wead, Einleitung).

Auf der RĂŒckseite dieses Buches ist zu lesen: „Das Leben in Kalkutta ist das tiefste StĂŒck der Hölle auf Erden. Prostituierte, Waisenkinder, Bettler, AussĂ€tzige, hilflose und verkrĂŒppelte Kinder, DrogensĂŒchtige – sie alle sind ein StĂŒck von diesem elenden, schmutzigen, schrecklichen und erbarmungslosen Leben.“

In Kolkata nun wurden wir von ca. 40 Mitarbeitern des BartimĂ€usprojekts empfangen. EindrĂŒcklich war, was Bernard Huber ĂŒber die Bettlerarbeit zu berichten weiß. Alle Mitarbeiter zeigten große Zufriedenheit, sich fĂŒr die Ärmsten der Armen einzusetzen. Da es so viele Bettler gibt, wirken sie in Gruppen und besuchen sie frĂŒh am Morgen. Die Bettler werden oft von Hautkrankheiten geplagt, sie sind aber auch oft erkĂ€ltet und leiden deswegen hĂ€ufig an Lungenkrankheiten. Die Sozialarbeiter geben ihnen Health Guides (Anleitung zur Vermeidung von Krankheiten). Auch bitten sie um Gebet und erleben dann als Folge von Gebetserhörung manchmal erstaunliche Wunder. Dadurch und durch die persönliche Freundschaft werden sie sehr offen fĂŒr Gottes Wort. UngefĂ€hr ein Drittel bekehrt sich. Kaum haben sie sich fĂŒr Jesus entschieden, wollen sie nicht mehr betteln. Man hat den Eindruck, als wĂ€re eine unsichtbare Macht, die Menschen verdreckt und zerstört, gebrochen worden. Danach wollen sie auch geschult werden und lesen und schreiben lernen.

Bernard lehnt es ab, solche Wunder ĂŒberzubetonen. Er und sein Team wollen Gott allein und dem Evangelium die Ehre geben. Er ermahnt seine Leute, die Sozialarbeiter, die Sonderlehren der Pfingstler zu meiden, da sie oft Spaltungen bewirken. Zum Teil versuchten sie, die Angestellten des BartimĂ€usprojekts mit höheren GehĂ€ltern zu ködern.

Nun bin ich ja nicht das erste Mal in Indien gewesen und es gibt meine BĂŒcher, die sich mit dem Schwarmgeist auseinandersetzen, ja auch in einigen Sprachen Indiens. Insofern hatte also Bernard nichts dagegen, dass ich meine Schriften und Unterlagen weitergab.

Da die Reisegruppe auch Hyderabad besuchte, teilte ich dies einem Freund mit, den ich schon seit 1987 kenne und der in eben dieser Stadt wohnt. Bei meinem letzten Besuch in Indien 2006 hatte ich ebenfalls diese Hauptstadt von Andhra Pradesh aufgesucht. William Carey, so benannt von seinen christlichen Eltern nach dem berĂŒhmten Pioniermissionar Indiens, organisierte darauf kurzfristig etliche Dienste in Gemeinden und Bibelschulen in Hyderabad und Umgebung. In dieser Zeit nun vom 10. bis 14. Februar hatte ich keinen Mangel an EinsĂ€tzen und Diensten.

Er klagte darĂŒber, wie durch Joyce Meyers Auftritt vor zwei Jahren in Hyderabad eine Woge von predigenden Frauen im Fernsehen einsetzte. Sie gab eine Art InitialzĂŒndung. Auch sei seitdem eine große Anpassung an weltliche MaßstĂ€be zu beobachten. Viele Geschwister in Indien haben ohnehin Probleme mit predigenden Frauen und noch erschreckender fĂŒr sie ist, dass eine geschiedene Frau mit ihrer Botschaft des positiven Denkens und des moderaten Wohlstandsevangeliums solch einen Zulauf haben kann. Es ist ein weiterer Beleg fĂŒr die geistliche Verflachung der Gemeinden.

Aufschlussreich war fĂŒr mich, was eine gebĂŒrtige Kasachin namens Ilmira zu berichten wusste. Vom 17. bis 20. Januar dieses Jahres war Joyce Meyer in Mumbai, dem ehemaligen Bombay. Sie war sehr angetan von ihren VortrĂ€gen, bis am 19. Januar etwas stattfand, das Ilmira zutiefst schockierte und erschĂŒtterte. Mitten im Vortrag fragte Joyce Meyer plötzlich, wer denn von den Anwesenden in Zungen rede? Viele bejahten. Darauf forderte sie die Betreffenden auf, in Zungen zu beten. Dies sei die angebliche direkte Kommunikation mit Gott. Darauf erhob sich ein Schwall unverstĂ€ndlicher Worte aus vielen Kehlen. Minutenlang redete Meyer darauf selber in Zungen. NatĂŒrlich ohne irgendeine Auslegung oder sich sonst wie um die paulinischen Regeln zu kĂŒmmern. Dabei gibt Paulus in Vers 37 von 1. Kor. 14 gerade als Kennzeichen des ErfĂŒlltseins mit dem heiligen Geist, dass man sich an seine MaßstĂ€be hĂ€lt und nicht unbekĂŒmmert darĂŒber hinwegsetzt. In diesem Kapitel erklĂ€rt er sogar, dass es schĂ€ndlich fĂŒr die Frau ist, in der Gemeinde zu reden (Vers 35b).

Leider haben wir eine Generation der zunehmenden Schamlosigkeit, um nicht zu sagen Schande, die auch immer mehr ein an die Welt angeglichenes Christentum hervorbringt und propagiert. Insofern passen solche Ereignisse in das von der Bibel geschilderte Bild der letzten Tage. Auch die Debatte im Zusammenhang mit dem Christival fĂŒgt sich womöglich ebenfalls in diese Diagnose ein. WĂ€hrend sogar Immanuel Kant noch erklĂ€rte, „Niemand kann in Beziehung auf etwas von Natur aus SchĂ€ndliches Rechte einrichten.“, sind etliche unserer fĂŒhrenden Evangelikalen, - dem Herrn sei Dank, nicht alle - wegen der kritischen Anfragen eines Homosexuellen knieweich geworden. „Ihre Ehre ist in ihrer Schande“, sagt die Bibel zu diesem „Lebensstil“. Nun, die Schrift hat nicht umsonst grĂ€uliche Zeiten vor der Wiederkunft Christi vorausgesagt. Vor unseren Augen erfĂŒllt sich das Wort aus dem Judasbrief, der ĂŒber die Menschen der letzten Tage schreibt: Sie sind Schandflecken..  wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschĂ€umen (Verse 12-13).

Besonders abstoßend wirkt diese Weltseligkeit und das emanzipatorische Gehabe auf Hindus. Wie ein Pastor meinte, wenn Hindus solche Frauen im Fernsehen beobachten, wie sie sich fast jeder Modetorheit anpassen, dann haben sie nur einen Wunsch, dass ihre Töchter nur ja nicht Christen, AnhĂ€nger dieser, wie sie meinen, schĂ€ndlichen Religion werden.

Bemerkenswert war fĂŒr mich, was Bernard Huber ĂŒber Thomas Keating zu berichten wusste, der als katholischer Priester und praktizierender Mystiker eigentlich ein esoterisches Weltbild vertritt. So rief Bernard bei seinem Institut in den USA an und sprach mit einem Mitarbeiter. Er fragte ihn, ob alle Religionen gleich seien? „Ja, sie seien alle gleich“, war dessen Antwort. Keating selbst erklĂ€rte: „Stille ist konfessionslos, und sie kann auf methodische Weise praktiziert werden“.

Dennoch sind Keatings Seminare bei Evangelikalen besonders in den USA sehr erfolgreich und beliebt. Auch kann man der Website von Keating entnehmen, wie er öfters gemeinsam Seminare mit Richard Foster abhĂ€lt, der ja auch fĂŒr viele Evangelikale als HoffnungstrĂ€ger gilt. Es zeigt nur einmal mehr, wie sehr das mystische GefĂ€lle um sich greift und die Gemeinden immer mehr unterspĂŒlt. Es versteht sich bald von selbst, dass man bei so einem Trend die Lehre und die Wahrheiten der Schrift wenig oder kaum, dafĂŒr umso mehr die Einheit propagiert, die uns angeblich befohlen sei.

Der hinduistische Hintergrund ist auch in den christlichen Kreisen öfters zu erkennen. Als wir eine Gemeinde von Stammesleuten in Andhra Pradesh besuchten, verbeugten sich vor uns zwei Leute und berĂŒhrten blitzschnell unsere Schuhe. Die verantwortlichen BrĂŒder erklĂ€rten uns, wie man dadurch meint, einen Segen zu empfangen. Im Guruismus benötigt es den körperlichen Kontakt, um „Erleuchtung“ zu empfangen bzw. Kraft zu ĂŒbertragen. Auch brachten uns Ă€ltere Schwestern kleine ÖlbehĂ€lter mit der Bitte, darĂŒber zu beten. Dieses Öl sei dann offensichtlich besonders wirksam und "segensreich". Eine Schwester wollte sogar Geld dafĂŒr geben. Darauf ermahnte ich die Verantwortlichen, solchen WĂŒnschen nicht nachzugeben. Wir landen sonst im mystischen GefĂ€lle des Katholizismus mit seinem Weihwasser oder bei den „großen“ Heilungsevangelisten, die ĂŒber TaschentĂŒcher und anderen GegenstĂ€nde beten, damit dadurch heilende Energien freigesetzt werden.

Dies ist aber eine zutiefst magische Vorstellung. Allerdings sind solche magische Techniken in unseren Tagen schon bald ein Garant fĂŒr Erfolg und „Gemeindewachstum“. So erklĂ€rte Peter Wenz ganz offen: „Ich habe mit den Jahren gelernt, daß Salbung auch durch das Auflegen von SchweißtĂŒchern ĂŒbertragbar ist. Ich kenne viele Beispiele, wo wir den Kranken TĂŒcher unter den Kopf legten und am nĂ€chsten Morgen waren sie gesund“ (ideaSpektrum 46/2006). Wer solche Tendenzen bei Menschen mit hinduistisch magischem Hintergrund fördert, wie es durch charismatische Prediger ĂŒblich ist, der wird ungeahnten Zulauf erleben. Bei so einem Angebot strömen die Massen, geraten in Begeisterung und man kann einen Bericht nach dem anderen ĂŒber gewaltige „Erweckungen“ in diesen Erdteilen in die staunende Christenheit hinausposaunen.

Es sei hier nicht verschwiegen, dass dies aber auch zu einem gewissen Dilemma fĂŒhrt. Denn einerseits will man diese ahnungslosen Geschwister nicht vor den Kopf stoßen, andererseits kann man nicht zusehen, wie magische und aberglĂ€ubische Vorstellungen in die Gemeinde eindringen. Bekanntlich durchsĂ€uert ein wenig Sauerteig den ganzen Teig (Gal. 5,9). Hier ist also Weisheit und EinfĂŒhlungsvermögen mit viel Gnade angesagt.

Doch zurĂŒck zu dieser segensreichen Arbeit unter den Armen. Interessant ist auch die Geschichte eines Mannes, der eine gute Ausbildung besaß, aber in die Armutsfalle geriet und zu betteln begann. Als er sich bekehrte, begann er eine Schule fĂŒr die Bettler einzurichten. Jetzt lebt er fĂŒr Jesus und fĂŒr andere.

Mit mehr als 100 Bettlergemeinden zeigt dieses Werk eindrĂŒcklich, wie eigentlich nur das Evangelium die Menschen aus dem Sog der Armut und EntwĂŒrdigung befreien kann.

Als besonders effektiv haben sich die schon erwÀhnten Minikredite erwiesen. ZunÀchst dachten diese Bettler nie daran, so eine Hilfe zu bekommen. Sie besuchen danach auch freiwillig die Gemeinden. So ein Gottesdienst ist oft genug ein Zusammentreffen am Sonntag im Freien. Ca. ein Drittel schaffen es, der Armutsspirale zu entkommen.

 

Dies alles ist unglaublich ermutigend. Es erinnert an das, was Winrich Scheffbuch in seinem BĂŒchlein Daß alle Welt von Jesus spricht mehrmals ausfĂŒhrt: „Darum mĂŒssen Christen der Welt von Jesus sagen. Er will und kann Menschen total verĂ€ndern. Politische Parolen oder materielle Hilfe allein kann nicht genĂŒgen. Menschen mĂŒssen erfahren, wie Jesus aus Not und Elend befreit und verwundete und verbitterte Menschen heilt. Allein eine solche Revolution der Herzen kann diese aus vielen Wunden blutende Welt verĂ€ndern“ (Kurzgeschichten, HĂ€nssler, 1994 S. 24-25).

Ich habe mir aus diesem lesenswerten BĂŒchlein von Pfarrer Scheffbuch noch folgendes besonders angestrichen: „KĂŒrzlich wurde ausgerechnet in einer indischen politischen Zeitschrift den Kirchen der Vorwurf gemacht, sie wollten nicht mehr evangelisieren. ...‘Wir mĂŒssen leider feststellen, daß die christlichen Kirchen die Menschen nicht mehr bekehren wollen.‘ Das ist richtig. Die meisten Christen haben eine Scheu, gerade bei den Ärmsten in den Slums das Evangelium von Jesus zu predigen. GenĂŒgt es nicht einfach, wortlos zu helfen? Nein, weil sie als Kastenlose weder WĂŒrde noch Zukunft haben. >Hindus interessieren sich nicht fĂŒr uns<, schreibt der indische Autor. ..>Wir sind die Opfer des Hinduismus!<  Es sei tragisch, wie die Kirchen sich heute national-indisch darstellten. Man passe sich an den Hinduismus an und wage nicht mehr, von der Notwendigkeit einer Bekehrung auch fĂŒr Hindus zu reden. Niemand habe sich um die Kastenlosen so verdient gemacht wie die christlichen Kirchen, besonders zur Zeit der alten Missionare. Der das schrieb ist, wenn auch Atheist, ĂŒberzeugt von den positiven sozialen Folgen einer Bekehrung zu Jesus. Wieviel mehr sollten Christen heute ohne Scheu andere zu Jesus einladen. Er bietet doch erst Leben in bester QualitĂ€t“ (ibid, S. 40).

Dem Herrn sei Dank, bei diesem BartimĂ€usprojekt weiß man, warum man neben materieller Hilfe den Bettlern unbedingt auch das Evangelium bringen muss. Die Auswirkungen einer echten Bekehrung sind so frappierend, es gibt tatsĂ€chlich keine bessere Möglichkeit, Menschen aus dieser Armutsfalle herauszuholen. Sie werden buchstĂ€blich neu durch und in Christus.

Alexander Seibel


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