Kann man Gebete tanzen?

Als neuester Schrei war in der letzten Charisma folgendes zu lesen: Tänzer in ihren farbenfrohen mit Perlen und Federn , Lederfransen und Glöckchen dekorierten Bekleidung betreten die Bühne zum Sound der traditionellen Trommel. Die Tänzer bewegen sich um den Kreis der Trommler. Aufmerksam folgen die Zuschauer den Tänzen und klatschen im Rhythmus.

Was für den Uneingeweihten wie eine Kulturvorführung erscheint, ist weit mehr, wie der Leiter der Gruppe Broken Walls, Jonathan Maracle, dem Publikum mitteilt. Ihre Musik, ihre Tänze und ihre Kleidung – das ist alles eine von Herzen kommende Anbetung ihres Schöpfers und Retters, Jesus Christus. Die Indianer tanzen ihre Gebete!  (Nr. 139, Jan. – März 2007, S. 16)

Maracle ist selber Indianer und hat den Wunsch, als Christ und Indianer, die Anbetung mit stammestypischem Charakter auszudrücken.

Man sieht, wenn man sich einmal diesen Dingen öffnet, gibt es kein Halten mehr. Erst hat man mit Tanz Gott angeblich angebetet, jetzt werden Gebete sogar getanzt.

Vorreiter für diese letzte Neuheit ist wieder einmal Charisma, das Flagschiff der charismatischen  Publikationen. Das Heidentum, nicht nur in der Moral, breitet sich in unserer Generation immer hemmungsloser aus und dringt, gewöhnlich mit Charismatiker als Brückenkopf, immer mehr in die frommen Kreise ein. Indianertanz als angeblich neue Gebetsform! Der Synkretismus ist überhaupt nicht mehr getarnt. Der vom Zeitgeist geprägte Christ feiert immer ungehemmter sein Fleisch und nennt dies alles geistlich. Der Tanz um das Golden Kalb und die Berauschung unserer Christenheit marschieren fröhlich voran.

In 1. Kor. 10,7 heißt es: Werdet auch nicht Götzendiener, wie einige von ihnen es wurden, wie geschrieben steht: »Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um zu tanzen.«

Das hier im Griechischen gebrauchte Wort „paizo“ heißt wörtlich, sich wie ein Kind, griechisch „pais“, zu benehmen. So wird dies je nach Bibelübersetzung als spielen, tanzen oder hüpfen wiedergegeben. Das sogenannte „Anbetungskonzert“ Calling All Nations am 15. Juli letzten Jahres war eine Art Paradebeispiel solchen Verhaltens. Allerdings musste Paulus schon vor fast 2000 Jahren in seinem Brief an die Korinther klagen, dass sie „kindisch“ seien (1. Kor. 3,1). Doch dank dieser modernen Strömungen haben wir einen zunehmenden Infantilismus, einen wachsenden Kindergarten, mit dem nun angeblich, dank geistlicher Kampfführung und Gebetsmärsche, die Festungen der Finsternis ins Wanken gebracht werden. 

Vielleicht charakterisieren zwei Zitate von dem brillanten Apologeten Ravi Zacharias diesen gegenwärtigen Trend: Wenn Emotionen den Verstand als Geisel nehmen, dann kommt damit ein zerstörerisches Element ins Spiel. Erst wenn die Emotionen in Zaum genommen und durch die Wahrheit gelenkt werden, kommt ein legitimer Ausdruck der Anbetung dabei heraus...

Wenn sinnleere Wiederholungen zur Gewohnheit werden, wiederholen wir sie nur noch mehr, und mehr Sinnlosigkeit ist die Folge. Vielleicht ist das der Grund, warum Anbetung in unserer Zeit einer Neuerung nach der anderen nachjagt und so zur Verdummung degeneriert (Sehnsucht des Herzens Gottes Nähe wieder spüren, Brunnen Verlag Gießen, 2003, S. 242 und S. 254).


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